Millionen Menschen haben mittlerweile die Szene gesehen: Die 37-jährige Renee Nicole Good wird von einem ICE-Beamten in Minneapolis erschossen. Was genau am 7. Januar geschah, ist noch Gegenstand von Ermittlungen – doch der Vorfall sorgt bereits für landesweite Diskussionen.
Laut Bundesbehörden handelte der Beamte aus Notwehr. Vertreter*innen der Stadt, des Bundesstaates Minnesota und zivilgesellschaftliche Gruppen sprechen hingegen von einem unverhältnismäßigen Einsatz und fordern Aufklärung.
Doch hinter dem dramatischen Geschehen steht ein Mensch, dessen Leben weit mehr war als die letzten Sekunden. Ihre Mutter, Donna Ganger, beschreibt Renee als „liebevoll, verzeihend und fürsorglich“ – eine Frau, die sich zeitlebens um andere gekümmert habe.
Renee lebte mit ihrer Partnerin und einem sechsjährigen Sohn in Minneapolis. Auf Instagram beschrieb sie sich selbst als „Poetin, Mutter, Ehefrau und Gitarrenzupferin aus Colorado“. Hunderte Menschen kamen zur Mahnwache, riefen „Say her name – Renee Good!“ und legten Blumen am Ort des Geschehens nieder.
Warum sie an jenem Tag am Ort der Razzia war, bleibt unklar. Einige bezeichnen sie als „Legal Observer“, also Beobachterin polizeilicher Maßnahmen – ein Begriff, der in Aktivistenkreisen seit den 60er-Jahren bekannt ist. Ihre Mutter bestreitet, dass Renee aktiv protestierte. „Sie war wahrscheinlich einfach nur verängstigt“, sagte sie der Star Tribune.
Die Reaktionen auf ihren Tod sind heftig. Politiker*innen wie die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar fordern eine transparente Untersuchung. Bürgermeister Jacob Frey sprach den Angehörigen sein Beileid aus. „Es gibt keine Worte, die diesen Schmerz lindern“, sagte er.
Auf einer Spendenplattform werden unterdessen Gelder für Renées Familie gesammelt – für ihre Frau und ihren Sohn, „die mit dem plötzlichen Verlust ihrer geliebten Ehefrau und Mutter zurechtkommen müssen“.
Der Fall Renee Nicole Good ist zu einem Symbol für das gespannte Verhältnis zwischen Einwanderungsbehörden und den Gemeinden geworden – und für die Frage, wie viel Menschlichkeit im Vollzug von Gesetzen bleibt.
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