Die US-Regierung will Arbeitgebern künftig mehr Spielraum bei der Gestaltung von betrieblichen Altersvorsorgeplänen geben. Ein neuer Vorschlag des Arbeitsministeriums sieht vor, dass sogenannte 401(k)-Pläne künftig leichter auch alternative Anlageformen wie Private Equity, Kryptowährungen oder Rohstoffe enthalten können.
Im Kern geht es um weniger staatliche Vorgaben – und mehr Verantwortung für die Entscheider. Treuhänder von Pensionsplänen sollen künftig „maximale Flexibilität“ erhalten, wenn sie über das Angebot an Investitionsmöglichkeiten entscheiden. Der Staat wolle sich nicht länger als Schiedsrichter zwischen „guten“ und „schlechten“ Anlageklassen verstehen, heißt es aus dem Ministerium.
Für die Finanzbranche ist das ein lange erwartetes Signal. Private-Equity-Gesellschaften drängen seit Jahren darauf, Zugang zu den enormen Summen in der betrieblichen Altersvorsorge zu erhalten. Bislang blieben diese Märkte jedoch weitgehend außen vor.
Der Grund: Risiken und Haftungsfragen. Zwar war es Arbeitgebern schon bisher erlaubt, alternative Anlagen anzubieten. Doch viele scheuten den Schritt. Zu groß war die Sorge, wegen intransparenter Kosten, komplexer Produkte oder schwankender Bewertungen verklagt zu werden.
Daran dürfte sich trotz der neuen Regelung nicht sofort viel ändern. Denn auch künftig gelten strenge Sorgfaltspflichten. Arbeitgeber müssen weiterhin genau prüfen, ob ein Investment geeignet ist – etwa in Bezug auf Kosten, Liquidität, Rendite und Risiken. Die Hürden bleiben hoch.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Rechtssicherheit. Experten bezweifeln, dass die neue Regel ausreicht, um Unternehmen vor Klagen zu schützen. Solange Gerichte die neuen Vorgaben nicht bestätigt haben, dürfte die Zurückhaltung vieler Anbieter bestehen bleiben. Ein breiter Einsatz alternativer Anlagen in 401(k)-Plänen könnte daher noch Jahre auf sich warten lassen.
Politisch ist der Vorstoß Teil einer größeren Agenda. Die Initiative geht auf eine Anordnung von Donald Trump zurück, der regulatorische Hürden abbauen und Investitionsmöglichkeiten erweitern will.
Kritik kommt vor allem aus dem demokratischen Lager. Die Senatorin Elizabeth Warren warnt davor, die Altersvorsorge von Millionen Amerikanern riskanteren Anlageformen auszusetzen. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten könnten Verluste gravierende Folgen haben.
Tatsächlich stehen sich zwei Perspektiven gegenüber: Auf der einen Seite die Hoffnung auf höhere Renditen durch neue Anlageklassen. Auf der anderen Seite die Sorge, dass komplexe und schwer durchschaubare Produkte die Sicherheit der Altersvorsorge untergraben könnten.
Die geplante Regelung ist noch nicht endgültig beschlossen. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Sie könnte das System der privaten Altersvorsorge in den USA grundlegend verändern – und die Frage neu stellen, wie viel Risiko für den Ruhestand vertretbar ist.
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