Früher trugen sie Leinenhosen, aßen Quinoa, meditierten beim Stillen und wählten links der Mitte. Heute grillen sie Bio-Hähnchen auf Kokosbriketts, züchten ihre eigenen Zwiebeln und glauben, dass Impfungen mehr Fragen aufwerfen als Mathehausaufgaben. Willkommen in der Welt der Crunchy Moms 2.0.
Wo einst Müsli, Mandalas und Mandeln dominierten, regieren heute Misstrauen gegenüber der Pharmaindustrie, DIY-Zäpfchen und Podcasts mit Namen wie „Kurkuma-Komplott – Mütter gegen Mainstreammedizin“.
Vom Müslilöffel zur Mikrobe
Die moderne Crunchy-Mom heißt Brandy oder April, lebt irgendwo zwischen Hühnerstall und WLAN-Repeater und fragt sich beim Zähneputzen ihrer Kinder:
„Was ist eigentlich in dieser Zahnpasta drin und wieso wurde sie von der EU nicht schon längst verboten?!“
Brandy Bright und April LoConti sind so etwas wie die Influencerinnen des alternativen Hausverstands. In ihrem Podcast „Crunchy Moms Unfiltered“ wird über alles gesprochen:
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Warum man Impfungen kritisch sieht
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Ob man Brot noch trauen kann
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Und wie viel Quecksilber wohl in einem Fischstäbchen steckt
Spoiler: Zu viel. Außer, man fragt die EU. Dann wieder zu wenig. Oder war’s umgekehrt?
Wissenschaft? Ja, aber nur, wenn sie das Richtige sagt
Was die neue Generation Crunchy-Mom so besonders macht, ist ihr ganz eigenes Verständnis von Wissenschaft:
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Wenn Harvard sagt, Zucker ist böse? ✅ Glaubwürdig!
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Wenn die WHO sagt, Impfungen retten Leben? ❌ Pharma-Verschwörung!
Denn wie April sagt:
„Wir stellen ja nur Fragen! Wer fragt, der führt!“
(Ja, meistens in eine Telegram-Gruppe.)
Kennedy Jr. – Gesundheitsminister oder Bio-Blogger?
Zur Unterstützung dieses neuen Lebensgefühls kommt niemand Geringeres als der Präsident der Impfverwirrung persönlich: Robert F. Kennedy Jr., der seine Stimme angeblich einer Grippeimpfung verdankt (die Wissenschaft sagt: Nein. Er sagt: Vielleicht). Kennedy ist jetzt Gesundheitsminister, also quasi Chefarzt der Vereinigten Staaten – mit abgeschlossenem Jurastudium.
Er verspricht:
„Wir sagen ab jetzt nur noch die Wahrheit. Keine edlen Lügen mehr. Nur echte, amerikanische Unsicherheit.“
Manche nennen es Transparenz. Andere nennen es: „Wikipedia-Recherche auf Regierungsebene.“
Wenn das Internet mehr Vertrauen hat als der Arzt
Die crunchy Reise beginnt oft harmlos. Erst wird auf dem Biohof nachgefragt, warum das Hühnchen so traurig schaut. Dann landet man auf YouTube bei einem Video mit dem Titel „7 Dinge, die dein Kinderarzt dir nie sagen würde – Nummer 4 ist illegal in Schweden!“
Und zack – ist man in einem Dschungel aus kolloidalem Silber, Brokkoliextrakten und Studien, die in keiner echten Universität geschrieben wurden, aber auf PowerPoint immerhin richtig seriös aussehen.
Fazit: Gesundes Misstrauen oder einfach sehr viele Fragen?
Brandy, April & Co. sagen:
„Wir wollen doch nur verstehen. Und das geht halt schlecht, wenn die Antworten nicht das sind, was wir vorher geglaubt haben.“
Experten sagen:
„Fragen ist okay. Ignorieren der Antworten – weniger.“
Und wir sagen:
Bleibt crunchy, aber bitte nicht knusprig verbrannt.
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