Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat am Wochenende eine groß angelegte Einwanderungsoperation unter dem Namen „Operation Midway Blitz“ angekündigt. Ziel der Maßnahme sei laut dem Heimatschutzministerium (DHS), undokumentierte Migrantinnen und Migranten mit kriminellem Hintergrund in Chicago und im Bundesstaat Illinois aufzuspüren und abzuschieben.
Benannt ist die Aktion nach der 20-jährigen Katie Abraham, die im Januar bei einem Unfall mit Fahrerflucht durch einen illegal eingereisten Mann aus Guatemala ums Leben kam. Nach Angaben des DHS soll die Operation „die schlimmsten der Schlimmen“ treffen – eine Formulierung, die für heftige politische Reaktionen sorgt.
„Kein sicherer Hafen für illegale Kriminelle“
Tricia McLaughlin, stellvertretende DHS-Sekretärin, erklärte, man werde mit Hunderten Beamten in der Region operieren, unter anderem von einem Marinestützpunkt bei Chicago aus. Ziel sei es, kriminelle Migranten „aufzuspüren, festzunehmen, abzuschieben – und nie wieder ins Land zu lassen“.
Präsident Trump selbst hatte zuvor angekündigt, notfalls auch Nationalgardisten in die Metropolregion zu entsenden, nachdem am Labor-Day-Wochenende mehrere Menschen durch Waffengewalt ums Leben gekommen waren.
Heftiger Widerstand aus Illinois
Der Gouverneur von Illinois, JB Pritzker, sowie Chicagos Bürgermeister Brandon Johnson lehnten das Vorgehen scharf ab. Pritzker sprach von einer „autoritären Machtdemonstration“ und erklärte:
„Der Präsident bedroht eine amerikanische Stadt mit dem Verteidigungsministerium. Das ist kein Witz, das ist nicht normal.“
Auch US-Senator Dick Durbin warf Trump „billigen Populismus“ und „Angstmacherei“ vor. Die Maßnahmen seien teuer, ineffektiv und schadeten dem gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Proteste und Angst in der Bevölkerung
Auf Chicagos Südwestseite versammelten sich am Wochenende zahlreiche Menschenrechtsgruppen, Aktivistinnen und lokale Politikerinnen zu Protesten gegen die geplanten Maßnahmen. Rey Wences von der Illinois Coalition for Immigrant and Refugee Rights sagte:
„Menschen auf offener Straße zu verhaften, ist kein normales Vorgehen in einem Rechtsstaat.“
Die Gruppe hat eine Hotline eingerichtet, über die Sichtungen von ICE-Agenten gemeldet werden können. Freiwillige verteilen zudem Informationsmaterial über Rechte bei Polizeikontrollen und dokumentieren mögliche Übergriffe.
Politische Eskalation mit populistischer Rhetorik
Für Aufsehen sorgte auch ein Beitrag Trumps auf seiner Plattform Truth Social, in dem er eine Zeile aus dem Kriegsfilm „Apocalypse Now“ abwandelte:
„Ich liebe den Geruch von Abschiebungen am Morgen.“
Zuvor hatte er per Dekret das US-Verteidigungsministerium symbolisch wieder in „War Department“ umbenannt.
Pritzker konterte:
„Donald Trump ist kein starker Mann – er ist ein verängstigter Mann. Illinois wird sich von einem Möchtegern-Diktator nicht einschüchtern lassen.“
Ungewisse rechtliche Grundlage
Während die Regierung betont, sich auf „kriminelle Elemente“ zu konzentrieren, kritisieren Rechtsexperten und Bürgerrechtsgruppen, dass die Maßnahme vage formuliert und rechtlich umstritten sei. Auch die Transparenz der Einsätze wird hinterfragt – bislang sei unklar, wie viele Personen tatsächlich festgenommen wurden.
Spaltung vertieft sich
Die jüngste Eskalation zeigt erneut, wie stark die Migrationspolitik unter Trump polarisiert. Während die Bundesregierung auf „Sicherheit und Ordnung“ pocht, sehen Kritiker darin einen Wahlkampf auf dem Rücken verletzlicher Bevölkerungsgruppen.
Mit den US-Präsidentschaftswahlen 2026 im Blick dürfte „Operation Midway Blitz“ kein Einzelfall bleiben – sondern vielmehr der Auftakt zu einer neuen Runde politischer Zuspitzung.
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