Die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2026 in San Siro, Mailand, bot ein eindrucksvolles Spektakel – und politische Spannungen. Während das US-amerikanische Olympia-Team beim Einmarsch zur Parade der Nationen mit lautem Applaus begrüßt wurde, schlug der Empfang für US-Vizepräsident JD Vance eine andere Richtung ein.
Vance, der gemeinsam mit seiner Frau, Second Lady Usha Vance, auf der Ehrentribüne Platz nahm und dabei kleine US-Fähnchen schwenkte, wurde vom Publikum deutlich hörbar ausgebuht, als er auf der Stadionleinwand eingeblendet wurde. Die Missfallensbekundungen spiegelten die derzeit angespannte politische Lage der USA unter der Trump-Regierung wider, die international für Schlagzeilen sorgt.
Das US-Team, gekleidet in Ralph-Lauren-Outfits, war als drittletztes Land ins Stadion eingezogen, unmittelbar vor Frankreich – Gastgeber der Winterspiele 2030 – und Italien, das traditionell als Gastgeberland die Parade beschließt. Die amerikanische Delegation wurde von Eisschnellläuferin Erin Jackson angeführt, die stolz die US-Flagge unter goldenen Olympischen Ringen präsentierte.
Die Parade der Nationen fand erstmals gleichzeitig an vier verschiedenen Austragungsorten statt – in Mailand, Livigno, Predazzo und Cortina. Je nach Disziplin marschierten die Athletinnen und Athleten an dem jeweiligen Veranstaltungsort ein. In Cortina übernahm Bobfahrer Frank Del Duca die Rolle des Fahnenträgers für die USA.
Die Buhrufe gegen Vance wurden durch Demonstrationen im Vorfeld verstärkt: In Mailand hatten am Freitag Proteste gegen die angebliche Präsenz von US-Einwanderungsbehörden (ICE) in Italien stattgefunden. Ein US-Olympiaoffizieller erklärte, dass ICE-Agenten nicht Teil der offiziellen Delegation seien, konnte jedoch keine Angaben machen, ob sie eventuell zur Sicherung der US-Botschaft beitrügen.
Präsident Donald Trump, der in der Vergangenheit regelmäßig bei großen Sportereignissen auftrat – zuletzt beim College Football National Championship Game in Miami und beim Super Bowl 59 in New Orleans – blieb der Eröffnungsfeier in Mailand fern. Stattdessen führte Vance die US-Delegation an, der unter anderem Außenminister Marco Rubio sowie US-Botschafter in Italien, Tom Fertitta, angehörten.
Vance saß bei der Zeremonie neben dem italienischen Präsidenten Sergio Mattarella sowie IOC-Präsidentin Kirsty Coventry. Während Mattarella vom Publikum bejubelt wurde, blieb die erste Einblendung von Vance zunächst unbeachtet – bis zur Parade, bei der sich der Unmut deutlich entlud.
Auch die israelische Delegation wurde beim Einmarsch mit Buhrufen bedacht, wohingegen das ukrainische Team mit anhaltendem Applaus empfangen wurde.
Am selben Tag traf Vance Italiens Premierministerin Giorgia Meloni und verfolgte Teile des Team-Wettbewerbs im Eiskunstlauf.
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