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USA: Sechsstellige Gehälter reichen oft nur noch zum Überleben

hbschw (CC0), Pixabay
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Ein Einkommen von 100.000 US-Dollar im Jahr galt lange als Symbol für Wohlstand und Stabilität. Doch laut einer aktuellen Umfrage des Harris-Instituts ist davon wenig übrig geblieben: Viele US-Amerikaner mit sechsstelligen Gehältern sehen sich mittlerweile im „Überlebensmodus“.

Ein Drittel der Befragten mit einem Jahresverdienst ab 100.000 Dollar gab an, finanziell unter Druck zu stehen. Zwei Drittel meinten sogar, dass ein solches Gehalt heute kein Zeichen von Reichtum mehr sei. Besonders auffällig: Drei Viertel der Befragten sagten, sie hätten kürzlich ihre Kreditkarte nutzen müssen, weil ihnen das Bargeld ausging.

„Früher stand ein sechsstelliges Einkommen für Sicherheit“, sagt Libby Rodney, Chefstrategin bei Harris. „Heute steht es für Überlebenskampf.“

Die Gründe sind vielfältig. Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Verbraucherpreise laut Bankrate im Schnitt um 24 % gestiegen. Um die Kaufkraft von 100.000 Dollar aus dem Jahr 2005 zu erreichen, müsste man 2025 bereits 170.000 Dollar verdienen, so Bill Adams von Comerica Bank.

Die Lebenshaltungskosten sind zudem stark vom Wohnort abhängig. Eine Analyse von LendingTree zeigt: In 25 der 100 größten US-Städte reicht ein Gehalt von 100.000 Dollar für eine dreiköpfige Familie nicht mehr aus, um die monatlichen Grundausgaben zu decken. In Städten wie New York oder Los Angeles bedeutet ein hohes Gehalt längst nicht mehr hohen Lebensstandard.

Obwohl diese Haushalte laut Wirtschaftsdaten weiterhin kräftig konsumieren – die obersten 10 % der Einkommensbezieher zeichnen für fast die Hälfte des privaten Konsums verantwortlich –, zeigen sich bei vielen Unsicherheit und Verzicht. Einige berichten davon, persönliche Gegenstände verkauft, Arzttermine abgesagt oder sogar Mahlzeiten ausgelassen zu haben.

Besorgniserregend ist auch, dass hochverdienende Haushalte verstärkt zu Ratenzahlungsmodellen wie „Buy Now, Pay Later“ greifen – oft für Alltagsausgaben. Laut Ökonom Gbenga Ajilore liegt das an der psychologischen Wirkung der anhaltend hohen Preise, auch wenn die Inflationsrate zurückgeht.

Die Harris-Umfrage unterstreicht ein wachsendes Missverhältnis: Die wirtschaftliche Lage erscheint stabil, doch viele Menschen – auch Gutverdiener – erleben finanzielle Unsicherheit. „Verbraucher sagen das eine, tun aber oft das andere“, meint Ökonom Ryan Sweet. „Ich achte lieber auf ihr Verhalten als auf ihre Worte.“

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