Der US-amerikanische Arbeitsmarkt sendet zum Jahresbeginn alarmierende Signale. Wie die Unternehmensberatung Challenger, Gray & Christmas berichtet, wurden im Januar 108.435 Stellenstreichungen angekündigt – der höchste Wert für einen Januar seit dem Krisenjahr 2009.
Die Zahlen deuten darauf hin, dass viele Unternehmen angesichts wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten in den „Verteidigungsmodus“ wechseln.
Arbeitsmarkt kühlt ab
Auch andere am Dienstag veröffentlichte Daten bestätigen den Negativtrend: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind in der vergangenen Woche deutlich gestiegen, gleichzeitig sank die Zahl offener Stellen im Dezember auf 6,5 Millionen. Noch im Oktober hatte es 7,4 Millionen offene Stellen gegeben – ein Rückgang um fast eine Million innerhalb von zwei Monaten.
„Im ersten Quartal sehen wir zwar traditionell mehr Entlassungen, aber der Januarwert liegt dennoch ungewöhnlich hoch“, so Arbeitsmarktexperte Andy Challenger.
Die Anzahl der geplanten Neueinstellungen war ebenfalls rückläufig: Nur 5.306 neue Stellen wurden im Januar angekündigt – nur halb so viele wie im Dezember (10.496). Auch dies markiert den niedrigsten Wert seit 2009, dem Ende der damaligen Großen Rezession.
Konjunkturindikatoren werfen Fragen auf
Aufgrund eines kurzen Regierungsstillstands Anfang Januar konnte der offizielle Arbeitsmarktbericht des US-Arbeitsministeriums nicht wie geplant veröffentlicht werden. Umso größer war das Interesse von Analysten und Investoren an anderen verfügbaren Datenquellen.
Wirtschaftsexperten zeigten sich uneins über die Bedeutung der aktuellen Zahlen. Die Analysten von Pantheon Macro erklärten in einem Marktkommentar:
„Die Zahl der Erstanträge ist nach ungewöhnlich niedrigen Werten im vierten Quartal wieder auf Normalniveau gestiegen. Das deutet auf eine Korrektur nach einer Saison mit wenigen Entlassungen hin.“
Dennoch rechnen die Ökonomen mit einem langsamen, aber stetigen Anstieg der Arbeitslosigkeit im ersten Halbjahr.
Deutlich pessimistischer äußerte sich Christopher Rupkey, Chefökonom bei FWDBONDS:
„Das ist genau das, was in einer Rezession passiert: Die Nachfrage nach Arbeitskräften bricht plötzlich ein. Es wäre ein Wunder, wenn die US-Wirtschaft jetzt nicht sehr nahe an den Ufern einer Rezession stünde.“
Fazit
Die Kombination aus steigenden Entlassungen, sinkenden Neueinstellungen und rückläufigen offenen Stellen verstärkt die Sorge vor einem möglichen wirtschaftlichen Abschwung in den USA. Ob die US-Notenbank (Fed) mit einer neuen Zinspolitik reagiert, bleibt abzuwarten – ebenso, wie sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten entwickelt.
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