Die Vereinigten Staaten haben im eskalierenden Konflikt mit dem Iran militärische Ziele auf der strategisch wichtigen Insel Kharg im Persischen Golf angegriffen. Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump wurden dabei militärische Anlagen zerstört, die sich auf der für Irans Ölindustrie zentralen Insel befinden. Die eigentliche Öl-Infrastruktur sei jedoch vorerst bewusst verschont worden, erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Zugleich richtete der US-Präsident eine deutliche Warnung an Teheran. Sollte der Iran oder ein anderer Akteur versuchen, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weiter zu behindern, werde Washington seine Entscheidung über einen Verzicht auf Angriffe gegen die iranische Öl-Infrastruktur „sofort überdenken“.
Schlüsselpunkt für Irans Ölexporte
Die Insel Kharg gilt als Herzstück des iranischen Ölhandels. Dort befindet sich der wichtigste Exporthafen der Islamischen Republik. Nach Medienberichten wird über die Anlagen auf Kharg ein Großteil des iranischen Rohöls verschifft. Entsprechend groß ist die strategische Bedeutung der Insel für die iranische Wirtschaft.
Der Angriff erfolgte vor dem Hintergrund der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus durch iranische Kräfte. Die etwa 55 Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und Oman zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölhandel. Durch die iranische Blockade ist der Schiffsverkehr dort inzwischen nahezu zum Erliegen gekommen.
Die iranischen Revolutionsgarden begründen die Blockade mit einer Anweisung des neuen religiösen Führers Modschtaba Chamenei. Teheran nutzt die Kontrolle über die Meerenge damit als strategischen Hebel im Krieg mit den USA und Israel.
Trump bezeichnete die Bombardierung der militärischen Einrichtungen auf Kharg als eine der heftigsten Operationen „in der Geschichte des Nahen Ostens“.
Weitere Eskalation in der Region
Parallel zum Angriff auf Kharg bleibt die Sicherheitslage im gesamten Nahen Osten angespannt. Die NATO bestätigte erneut das Abfangen einer iranischen ballistischen Rakete im türkischen Luftraum. Das türkische Verteidigungsministerium erklärte, man werde jede Bedrohung des eigenen Staatsgebiets entschlossen bekämpfen. Iran wies die Vorwürfe zurück und bestritt, Raketen in Richtung Türkei abgefeuert zu haben.
Auch die Golfstaaten bleiben Ziel iranischer Angriffe. In Katar wurden mehrere Stadtteile vorsorglich evakuiert, nachdem iranische Attacken in der Region zugenommen hatten. Bewohner eines zentralen Viertels der Hauptstadt Doha erhielten telefonische Warnmeldungen und wurden aufgefordert, ihre Wohnungen sofort zu verlassen.
Angriffe auf internationale Truppen
Im Nordirak wurde zudem ein von französischen Soldaten genutzter Militärstützpunkt nahe Erbil durch einen Drohnenangriff getroffen. Dabei kam ein französischer Soldat ums Leben, sechs weitere wurden verletzt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, sein Land wolle sich dennoch nicht in den Krieg hineinziehen lassen und verfolge weiterhin eine defensive Strategie.
Auch ein italienischer Stützpunkt in der Region wurde Ziel eines Drohnenangriffs. Zwar gab es dort keine Verletzten, doch kündigte die Regierung in Rom an, ihre Soldaten vorübergehend aus der Basis abzuziehen.
Proiranische Milizen drohten unterdessen damit, künftig „alle französischen Interessen im Irak und in der Region“ anzugreifen.
Krieg seit Ende Februar
Die aktuelle Eskalation begann am 28. Februar, als die USA und Israel Luftangriffe gegen Ziele im Iran starteten. Seitdem reagiert Teheran mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, US-Einrichtungen sowie mehrere Staaten am Persischen Golf.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte inzwischen in einer Resolution ein sofortiges Ende der iranischen Angriffe auf die Golfstaaten.
Die Lage in der Region bleibt weiterhin hochgradig angespannt. Experten warnen, dass insbesondere eine dauerhafte Blockade der Straße von Hormus gravierende Folgen für den globalen Energiemarkt haben könnte.
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