Die US-Regierung hat sich offiziell für die versehentliche Abschiebung einer College-Studentin aus Massachusetts entschuldigt – verteidigt jedoch gleichzeitig die Maßnahme vor Gericht. Die 19-jährige Any Lucia Lopez Belloza, Studentin am Babson College, wurde am 20. November 2025 am Flughafen von Boston festgenommen, als sie überraschend ihre Familie zu Thanksgiving besuchen wollte. Zwei Tage später wurde sie trotz einer gerichtlichen Anordnung nach Honduras abgeschoben.
Die Entscheidung zur Abschiebung verstieß gegen einen Eilbeschluss vom 21. November, der den US-Behörden untersagte, Lopez Belloza innerhalb von 72 Stunden aus den Vereinigten Staaten zu entfernen.
„Ein bürokratischer, aber tragischer Fehler“
In einer Anhörung vor einem Bundesgericht in Boston räumte ein Vertreter der Regierung am Dienstag den Verstoß ein. Der zuständige ICE-Beamte habe die gerichtliche Anordnung falsch interpretiert und versäumt, eine interne Warnung zu aktivieren, die Kollegen auf den anhängigen Rechtsschutz aufmerksam machen sollte.
„Im Namen der Regierung möchten wir uns aufrichtig entschuldigen“, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Es handle sich um „einen unbeabsichtigten Fehler eines Einzelnen“, nicht um eine bewusste Missachtung des Gerichts.
Ein in der Akte eingereichtes Dokument bestätigt: Der ICE-Beamte informierte weder das Vollzugsbüro in Texas noch stoppte er die Abschiebung. Er ging fälschlicherweise davon aus, dass die Anordnung nicht mehr gelte, sobald Lopez Belloza den Bundesstaat Massachusetts verlassen habe.
Regierung verweist auf gültige Abschiebeverfügung
Obwohl die Regierung das Fehlverhalten einräumt, hält sie an der Rechtmäßigkeit der Abschiebung fest. Die ursprüngliche Ausweisungsverfügung gegen Lopez Belloza und ihre Mutter stammt aus dem Jahr 2016, bestätigt durch das Board of Immigration Appeals im Folgejahr. Die Behörden argumentieren, Lopez Belloza hätte rechtliche Schritte gegen die Abschiebung einleiten können – dies jedoch versäumt.
Ihr Anwalt hingegen betont, die Abschiebung sei ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht gewesen. „Ich hatte gehofft, die Regierung würde Nachsicht zeigen und ihre Rückkehr ermöglichen“, so der Jurist. „Sie haben eine gerichtliche Anordnung missachtet.“
Richter erkennt Fehler, aber wohl keine Konsequenzen
US-Bezirksrichter Richard Stearns bezeichnete das Vorgehen als „tragischen bürokratischen Fehler“, betonte jedoch, er sehe keine vorsätzliche Missachtung des Gerichts. Auch über die eigene Zuständigkeit zeigte sich der Richter unsicher – die Klage sei eingereicht worden, nachdem Lopez Belloza bereits nach Texas überstellt worden war.
„Es ist vielleicht niemandes direkte Schuld, aber sie ist das Opfer“, so der Richter. Er deutete an, dass Lopez Belloza alternativ versuchen könnte, ein neues Studentenvisum zu beantragen.
Weitere Fälle bekannt
Der Fall reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Vorfälle, in denen Personen trotz gerichtlicher Anordnungen abgeschoben wurden. In mindestens zwei weiteren Fällen mussten Betroffene – teils erst nach Eingreifen des Supreme Court – aus dem Ausland zurückgebracht werden, nachdem Gerichte erhebliche Mängel im Verfahren festgestellt hatten.
Derzeit lebt Lopez Belloza bei ihren Großeltern und nimmt aus dem Ausland am Fernunterricht teil. Ihr Anwalt prüft eine Wiederaufnahme des ursprünglichen Asylverfahrens – verbunden mit dem Ziel, ihrer Mandantin die Rückkehr in die USA zu ermöglichen.
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