Tausende Demonstrierende sind in Minneapolis und zahlreichen weiteren US-Städten auf die Straßen gegangen, um gegen das gewaltsame Vorgehen von Bundesbehörden bei Abschiebungen zu protestieren. Die Proteste, organisiert unter dem Titel „National Shutdown“, fanden unter anderem in New York, Los Angeles, Chicago und Washington, D.C. statt. Die Organisator:innen riefen zu einem landesweiten Streiktag auf: „Kein Arbeiten. Keine Schule. Kein Einkaufen.“
Auslöser: Tödliche Schüsse auf zwei US-Bürger:innen
Die Proteste wurden durch die tödlichen Schüsse auf Renee Good und Alex Pretti ausgelöst – beide US-Staatsbürger:innen, beide in Minneapolis von Beamten der Bundesbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) erschossen.
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Renee Good, die erste der beiden, wurde am 7. Januar von einem ICE-Beamten erschossen.
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Alex Pretti, eine 37-jährige Krankenschwester, starb kurze Zeit später durch Schüsse von ICE-Einsatzkräften.
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Das US-Justizministerium hat inzwischen eine zivilrechtliche Untersuchung zu Prettis Tod eingeleitet.
Auch der Fall Silverio Villegas-Gonzales, der im September 2025 durch ICE-Schüsse ums Leben kam, wird erneut thematisiert.
Kreativer Protest und prominente Unterstützung
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In Minneapolis bildeten Hunderte Menschen mit ihren Körpern die Buchstaben „SOS“ auf dem zugefrorenen Lake Bde Maka Ska – ein Zeichen des öffentlichen Notrufs.
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Eine andere Gruppe marschierte mit einer übergroßen Nachbildung der US-Verfassung durch die Stadt.
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Der Musiker Bruce Springsteen widmete Pretti und Good sein neues Lied „Streets of Minneapolis“, das er bei einem Konzert in der Stadt erstmals aufführte.
Kritik am Einsatz von Bundeskräften in Minnesota
Unter dem Namen „Operation Metro Surge“ hatte die Bundesregierung rund 3.000 Bundesbeamte nach Minnesota entsandt, um gezielt gegen sogenannte „kriminelle illegale Ausländer“ vorzugehen. Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag:
„Wir tun alles, um unser Land sicher zu halten.“
Die Maßnahme stößt jedoch auf scharfe Kritik – nicht nur von Aktivist:innen, sondern auch von politischen Führern des Bundesstaates:
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Minnesotas Gouverneur Tim Walz und Minneapolis‘ Bürgermeister Jacob Frey fordern den Rückzug der Bundeskräfte.
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Kritiker:innen werfen ICE vor, auch Menschen mit weißer Weste oder sogar US-Staatsbürger:innen ins Visier zu nehmen.
Am Donnerstag signalisierte Tom Homan, „Border Tsar“ der Trump-Regierung, eine mögliche Reduzierung der Präsenz – „wenn die lokalen Behörden kooperieren“.
Ein Land in Aufruhr
Der Protesttag gilt als einer der sichtbarsten Akte zivilen Ungehorsams gegen die aktuelle Einwanderungspolitik der US-Regierung seit Jahren. Befürworter:innen sprechen von einem notwendigen Signal gegen staatliche Gewalt, Gegner:innen warnen vor wachsendem Misstrauen gegenüber Sicherheitsbehörden.
Ob und wie die Regierung auf den zunehmenden Druck reagiert, bleibt abzuwarten.
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