Die tödliche Schussabgabe auf den 37-jährigen Krankenpfleger Alex Pretti durch Bundesbeamte in Minneapolis sorgt in den USA weiterhin für politische und gesellschaftliche Turbulenzen. Besonders in der Kritik: US-Vizepräsident J.D. Vance, der sich weigert, seine Äußerung zu widerrufen, Pretti sei ein „Attentäter“ gewesen.
„Wofür sollte ich mich entschuldigen?“ – Vance bleibt hart
Im Interview mit der Daily Mail wurde Vance am Wochenende gefragt, ob er seine scharfe Wortwahl gegenüber Pretti bedauere. Seine knappe Antwort:
„Wofür? Er war jemand mit bösen Absichten, der zu einem ICE-Protest kam.“
Zuvor hatte Vance einen Social-Media-Beitrag des stellvertretenden Stabschefs des Weißen Hauses, Stephen Miller, geteilt. Dieser schrieb nach der Schießerei am 24. Januar:
„Ein Attentäter hat versucht, Bundesagenten zu ermorden.“
Was geschah in Minneapolis?
Bei einer Protestaktion gegen Einwanderungseinsätze in Minneapolis kam es zur tödlichen Auseinandersetzung zwischen ICE-Beamten (Einwanderungsbehörde) und Alex Pretti, der laut Angehörigen als Intensivpfleger arbeitete. Augenzeugenaufnahmen zeigen Pretti mit einem Handy in der Hand, die andere offenbar leer – keine Waffe ist zu sehen. Dennoch eröffneten die Beamten das Feuer.
Die Gerichtsmedizin hat den Vorfall mittlerweile offiziell als Tötungsdelikt eingestuft. Das US-Justizministerium ermittelt wegen möglicher Verletzung von Bürgerrechten.
Trump-Regierung rudert zurück – unter Protest
Die ersten Aussagen von Trump-nahen Politikern und Beamten waren martialisch. Pretti wurde als „Terrorist“ und „Gefahr für Beamte“ bezeichnet. Doch nach wachsender Kritik schaltete die Regierung einen Gang zurück: Präsident Trump ordnete am 4. Februar den Rückzug von 700 Bundesbeamten aus Minnesota an und sprach von einem „sanfteren Umgang mit Einwanderungsthemen“.
Trump selbst distanzierte sich halbherzig von den Äußerungen Millers, nannte Pretti jedoch später einen „Unruhestifter – vielleicht sogar einen Aufrührer“.
Kritik von allen Seiten – auch Republikaner alarmiert
Nicht nur Demokraten, sondern auch Republikaner reagierten empört auf die Vorverurteilung Prettis.
Senator Rand Paul (R-Kentucky) erklärte:
„Diese Aussagen über Pretti waren voreilig und falsch. Wer sie gemacht hat, muss das zugeben.“
Senatsminderheitsführer Chuck Schumer (D-New York) nannte die Reaktionen aus dem Weißen Haus „schamlos“.
Vance: „Ermittlung abwarten“ – aber keine Entschuldigung
Vance betont, man solle den Ausgang der Ermittlungen abwarten, stellt jedoch klar, dass er nicht gedenkt, sich zu entschuldigen – es sei denn, den ICE-Beamten könne Fehlverhalten nachgewiesen werden:
„Wenn jemand etwas falsch gemacht hat, wird es Konsequenzen geben. Aber es ist nicht klug, das jetzt zu beurteilen.“
Fazit: Politisches Feuer nach tödlichen Schüssen
Die Frage, ob Alex Pretti eine Bedrohung war oder ein unschuldiger Demonstrant, beschäftigt derzeit nicht nur Ermittler, sondern spaltet erneut das politische Klima der USA. Während der Vizepräsident hart bleibt, wächst die Wut auf den Straßen – und die Rufe nach Aufklärung werden lauter.
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