Der plötzliche Visa-Stopp der US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat unter indischen Studierenden für große Verunsicherung gesorgt. Tausende, die an amerikanischen Universitäten angenommen wurden, wissen derzeit nicht, ob sie ihre akademische Laufbahn in den USA überhaupt antreten können.
Einreise ungewiss: Träume in Gefahr
Umar Sofi, 26, aus dem von Indien verwalteten Kaschmir, hatte nach drei Jahren endlich einen Studienplatz an der renommierten Columbia University erhalten – samt Stipendium. Er kündigte seinen Job und bereitete sich auf den Umzug vor. Doch am 27. Mai wurde überraschend bekannt gegeben, dass die US-Botschaften weltweit keine neuen Studentenvisaanträge mehr bearbeiten.
„Ich war wie betäubt“, sagt Sofi im Gespräch mit der BBC. Auch die 17-jährige Samita Garg (Name geändert), die in Mumbai lebt, wurde von der Nachricht unmittelbar nach ihrer Zusage an einer US-Universität überrascht: „Es ist beängstigend und stressig.“
Politischer Hintergrund: Visastopp und verschärfte Regeln
Die Visasperre folgt einer Reihe von Entscheidungen der Trump-Regierung, die auf eine striktere Einwanderungspolitik abzielt. Gleichzeitig kündigte Washington an, künftig verstärkt soziale Medien von Antragstellern zu prüfen und Studierende zu überwachen. In manchen Fällen wurden sogar internationale Studierende abgeschoben, wenn sie sich nicht ordnungsgemäß zu Kursen anmeldeten oder abwesend waren.
Präsident Trump begründet die Maßnahmen mit einer angeblichen Überliberalisierung amerikanischer Eliteuniversitäten wie Harvard und deren unzureichendem Engagement gegen Antisemitismus.
Indien besonders betroffen
Indien stellt mit über 330.000 Studierenden die größte Gruppe internationaler Studierender in den USA. Bildungsberater berichten, dass sich viele junge Menschen nun für andere Länder wie Großbritannien, Deutschland oder Australien entscheiden – auch aus Angst, mittendrin abgeschoben zu werden.
„Die Unsicherheit betrifft nicht nur das Visum“, sagt Prema Unni, der auf ein Masterstudium in den USA verzichtet hat, „sondern auch Jobs, Nebenbeschäftigungen und die permanente Überwachung auf dem Campus.“
Wirtschaftliche Folgen für die USA
Internationale Studierende tragen jährlich rund 43,8 Milliarden US-Dollar zur US-Wirtschaft bei und sichern über 375.000 Arbeitsplätze – besonders an regionalen Hochschulen mit MINT-Schwerpunkt. Der aktuelle Visastopp gefährdet laut Experten diese strategisch bedeutsame Bildungs- und Wirtschaftspartnerschaft zwischen Indien und den USA.
Professor Chris R. Glass von der Boston College warnt: „Dies ist kein vorübergehender Einbruch bei den Studiengebühren – es ist eine langfristige Störung einer wichtigen Beziehung.“
Fazit: Verlorene Chancen auf beiden Seiten
Während in Indien die Qualität und Quantität der Hochschulbildung nicht ausreicht, um alle Top-Studierenden im Land zu halten, profitieren die USA seit Jahrzehnten von deren Fachwissen. Viele haben Karrieren in führenden Unternehmen wie Google oder Microsoft gemacht. Sollte sich die Situation nicht bald entspannen, verlieren beide Länder.
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