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US-Militärschlag in Venezuela: Was er für die Ölpreise und die weltgrößten Reserven bedeutet

Kaufdex (CC0), Pixabay
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Nach einem groß angelegten US-Militärschlag auf die venezolanische Hauptstadt Caracas wurde Präsident Nicolás Maduro festgenommen und außer Landes gebracht. Zurück bleibt ein Land im politischen Umbruch – mit den größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt.

Mit dem Eingreifen der Trump-Regierung gerät ein Staat ins Visier, der laut US-Energiebehörde EIA über rund 303 Milliarden Barrel Rohöl verfügt – das entspricht etwa 20 % der globalen Reserven. Welche Rolle diese gewaltigen Vorkommen künftig spielen, hängt nun maßgeblich vom politischen Verlauf der nächsten Tage ab.

Öl wird am Wochenende nicht gehandelt, doch Analysten erwarten je nach Entwicklung entweder Stabilität oder deutliche Preisausschläge. Die bisherige Regierung unter Maduro hatte sich gegenüber internationalen Ölkonzernen feindlich gezeigt; die Infrastruktur des Landes ist marode und unterentwickelt. Die zentrale Frage: Wird eine neue Regierung den Sektor öffnen oder weiter abschotten?

„Für den Ölmarkt hat das Potenzial, ein historisches Ereignis zu werden“, sagt Phil Flynn, Analyst bei der Price Futures Group. „Die Regime von Maduro und Chávez haben die venezolanische Ölindustrie systematisch ausgeplündert.“

US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die militärische Operation sei nach der Festnahme Maduros beendet. Sollte allerdings Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, ebenfalls Teil des sozialistischen Regimes, die Macht übernehmen, ist kurzfristig kaum mit Veränderungen zu rechnen.

Derzeit unterstützt die US-Regierung den im Exil lebenden Politiker Edmundo González als rechtmäßigen Präsidenten, ebenso wie María Corina Machado, Friedensnobelpreisträgerin 2025.

„Die nächsten 24 bis 48 Stunden sind entscheidend“, so Flynn. „Wenn das Militär zur Opposition überläuft, könnte das die Märkte beruhigen. Ein Bürgerkrieg hingegen würde das Gegenteil bewirken.“

Venezuelas Öl – riesig in der Theorie, klein in der Realität

Trotz seiner gewaltigen Reserven liegt Venezuelas aktuelle Ölproduktion bei nur rund 1 Million Barrel pro Tag, also etwa 0,8 % der weltweiten Förderung. Das ist weniger als ein Drittel des Produktionsniveaus vor dem Machtantritt der Sozialisten im Jahr 1999.

Gründe für den Rückgang: internationale Sanktionen, Misswirtschaft, Korruption und fehlende Investitionen in Infrastruktur. Selbst bei einem völligen Ausfall venezolanischer Exporte erwartet der Markt daher keine dramatischen Preissprünge.

Der Ölpreis bleibt 2026 bislang relativ stabil, auch wegen einer moderaten globalen Nachfrage und Produktionssteigerungen anderer Länder. Zwar stieg der Preis kurzzeitig auf über 60 Dollar je Barrel, nachdem die USA begannen, venezolanische Öltanker zu beschlagnahmen, fiel jedoch rasch wieder auf 57 Dollar zurück.

„Psychologisch kann das ein kleiner Preistreiber sein“, so Flynn. „Aber Venezuelas Öl lässt sich kurzfristig durch andere Quellen ersetzen.“

Ein schlafender Riese mit schwerem Rohöl

Venezuela fördert überwiegend schweres, schwefelreiches Rohöl („heavy sour crude“), das technisch aufwendig zu verarbeiten ist. Internationale Konzerne verfügen über die nötige Technik, durften bislang jedoch kaum im Land operieren.

Für die USA wäre der Zugang zu diesem Rohöl strategisch vorteilhaft: Die meisten US-Raffinerien sind auf venezolanisches Öl ausgelegt und arbeiten damit effizienter als mit dem leichteren, heimischen Rohöl.

„Wenn die Operation weiter ruhig verläuft und US-Firmen zurückkehren dürfen, um die Ölindustrie wieder aufzubauen, wäre das ein Game-Changer für den globalen Markt“, sagt Flynn.

Besonders Produkte wie Diesel, Asphalt oder Schwerölbrennstoffe profitieren von dem venezolanischen Rohöltyp. Da diese Stoffe weltweit knapp sind – auch wegen der Sanktionen – könnte eine Öffnung des Markts Entlastung bringen.

Fazit

Der Sturz Maduros könnte langfristig einen Wendepunkt für die venezolanische Ölindustrie markieren – vorausgesetzt, das Land findet politische Stabilität und öffnet sich internationalen Investitionen. In einem ohnehin angespannten Energiemarkt könnte dies sowohl für die USA als auch für die Weltwirtschaft erhebliche Auswirkungen haben.

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