In den USA wurde mal wieder ein uraltes Missverständnis aufgeklärt:
Pressefreiheit bedeutet offenbar nicht, frei zu berichten – sondern frei das zu sagen, was Donald Trump gerade hören möchte.
Zumindest wenn es nach Brendan Carr, dem Chef der US-Medienaufsicht FCC, geht. Der hat amerikanischen Medien am Samstag freundlich durch die Blume mitgeteilt:
„Berichtet bitte im öffentlichen Interesse.
Und falls ihr nicht wisst, was das ist: Das ist ungefähr das, was Trump gut findet.“
Andernfalls, so die nicht ganz subtile Botschaft, könnte es bei der nächsten Lizenzverlängerung etwas… unkomfortabel werden.
Fake News ist alles, was nicht gefällt
Carr warnte auf X vor Sendern, die „Fake News“, „Falschmeldungen“ und „Nachrichtenverzerrungen“ verbreiten.
Welche Sender genau gemeint sind?
Natürlich sagte er das nicht.
Das wäre ja fast schon konkret gewesen.
Stattdessen gab es den modernen Standardbeweis:
einen Screenshot von Donald Trump.
Denn wenn der Präsident einen Post schreibt, in dem er sich über Medien aufregt, ist das in manchen politischen Kreisen offenbar inzwischen ungefähr so belastbar wie früher ein Gerichtsbeschluss.
Trump selbst regte sich über eine Schlagzeile zu fünf Tankflugzeugen auf, die in Saudi-Arabien von iranischen Angriffen getroffen worden waren. Seine Bewertung:
„Absichtlich irreführend.“
Oder auf gut Trumpisch:
Alles, was nicht exakt so klingt, als hätte er persönlich den Krieg gewonnen, ist automatisch „Fake News“.
CNN berichtet kritisch? Mutig.
Besonders viel Liebe bekam diesmal CNN ab.
Der Sender hatte berichtet, dass Washington womöglich das Risiko unterschätzt habe, dass der Iran die wichtige Ölroute durch die Straße von Hormus blockieren könnte.
Ein klassischer Fall von investigativem Journalismus also.
Die Reaktion aus dem Trump-Lager:
„Zu 100 Prozent Fake News.“
Karoline Leavitt, Trumps Sprecherin, machte dabei klar: Das Pentagon sei natürlich seit Jahrzehnten auf alles vorbereitet. Vermutlich sogar auf:
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Straßensperrungen
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Ölkrisen
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Sandstürme
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Godzilla
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und schlechte Schlagzeilen bei CNN
Regierung wünscht sich Medien als Lautsprecher mit Stromanschluss
Bei Bürgerrechtlern und Demokraten sorgte Carrs Auftritt für leichte Nervosität. Also jene Art von „leichter Nervosität“, bei der Menschen Wörter wie „empörend“, „gefährlich“ und „eklatant verfassungswidrig“ benutzen.
Die Stiftung FIRE, die sich für Meinungsfreiheit einsetzt, brachte es ziemlich direkt auf den Punkt:
Wenn der Staat Medien unter Strafandrohung zum Sprachrohr der Regierung machen will, läuft vielleicht ganz eventuell irgendetwas gewaltig falsch.
Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom fand die Idee, Sendern wegen unliebsamer Berichterstattung die Lizenz zu entziehen, ebenfalls nicht ganz ideal und nannte sie kurzerhand:
„eklatant verfassungswidrig“
Das ist in den USA die elegante politische Formulierung für:
„Habt ihr sie noch alle?“
Brendan Carr – der Mann, der sogar Jimmy Kimmel zu viel war
Wer jetzt glaubt, Carr sei nur wegen des Iran-Kriegs plötzlich streng geworden, irrt.
Der Mann hat bereits im vergangenen Jahr Sendern mit Lizenzentzug gedroht, wenn sie Jimmy Kimmel ausstrahlen.
Ja, richtig gelesen:
Nicht wegen Staatsgeheimnissen.
Nicht wegen Aufrufen zum Umsturz.
Sondern wegen einer Late-Night-Show.
Damit ist Brendan Carr vermutlich der erste Medienaufseher der Welt, der sich dachte:
„Diese Demokratie wäre viel stabiler, wenn endlich jemand Jimmy Kimmel stoppt.“
ABC setzte die Sendung daraufhin kurzzeitig aus.
Man möchte fast sagen: In Amerika kann man alles sagen.
Man sollte nur vorher sicherstellen, dass es niemanden mit Macht, Funkfrequenzen und empfindlichem Ego stört.
Fazit: Lizenz nur mit Kriegsbegeisterung?
Unterm Strich klingt die neue Medienstrategie in Washington ungefähr so:
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Kritisch berichten? Schwierig.
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Fragen stellen? Riskant.
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Regierung widersprechen? Kühn.
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Alles toll finden? Lizenz wahrscheinlich sicher.
Oder wie man es in der neuen Trump-FCC wohl formulieren würde:
„Objektive Berichterstattung ist erlaubt – solange sie objektiv bestätigt, dass wir großartig sind.“
Die gute Nachricht:
Die Pressefreiheit lebt noch.
Die schlechte Nachricht:
Sie bekommt gerade offenbar Post von der Behörde.
Extra-kurze Satire für Social Media:
US-Medienaufsicht droht Sendern mit Lizenzentzug, wenn sie zu kritisch über den Iran-Krieg berichten.
Kurz gesagt:
Pressefreiheit ja — aber bitte nur in der Deluxe-Version mit Trump-Kommentarspalte.
Neu bei der FCC:
📺 Lizenzverlängerung nur mit drei Voraussetzungen:
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patriotische Schlagzeilen
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keine Fragen
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CNN doof finden
Jimmy Kimmel sollte vorsichtshalber schon mal untertauchen.
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