Die angespannte Lage auf dem US-Immobilienmarkt spitzt sich weiter zu. Laut einer Analyse der Immobilienplattform Redfin wurden im Dezember 2025 rund 40.000 Hauskaufverträge wieder storniert – ein Rekordwert, der selbst die turbulenten Monate zu Beginn der Corona-Pandemie übertrifft.
Das entspricht 16,3 % aller in diesem Zeitraum abgeschlossenen Kaufverträge – der höchste Anteil seit Beginn der Redfin-Erhebung im Jahr 2017.
„Niemandem gehört der Markt – weder Käufern noch Verkäufern“
Die Gründe sind vielfältig, aber klar: hohe Immobilienpreise, steigende Zinsen und ein zunehmendes Gefühl wirtschaftlicher Unsicherheit verunsichern Kaufinteressenten. Dazu kommt ein wachsendes Angebot an Immobilien, während viele Verkäufer noch immer auf Preise aus besseren Zeiten hoffen.
„Die Käufer sind heute deutlich wählerischer“, sagt Chen Zhao, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Redfin. „Da mehr Objekte auf dem Markt sind, steigen die Ansprüche – und wenn das Bauchgefühl nicht stimmt, wird der Vertrag eben wieder aufgelöst.“
Der Immobilienmarkt sei derzeit ein „Patt“, ergänzt Joan Rogers, Maklerin in Portland, Oregon: „Die Verkäufer glauben noch immer, es sei ein Verkäufermarkt – die Käufer glauben, es sei ein Käufermarkt. Am Ende ist es gar kein Markt.“
Verträge als Verhandlungsmasse – oder Notausgang
Laut Redfin nutzen viele Käufer die sogenannte Inspektionsklausel als legalen „Rettungsschirm“. Zwar werden als offizieller Grund oft Baumängel genannt, doch häufig sei der wahre Grund, dass man sich die Finanzierung einfach nicht leisten kann oder will.
„Sobald beim Haus etwas nicht stimmt oder der Preis zu hoch ist, steigen viele Käufer wieder aus“, erklärt Alison Williams, Maklerin bei Redfin in Kalifornien. In einem Käufermarkt mit vielen Alternativen scheuen sich Interessenten nicht, hart zu verhandeln oder den Rückzug anzutreten.
2025: Weniger Verkäufe als je zuvor
Die Zahlen zeigen deutlich: 2025 war bereits das schwächste Jahr für Weiterverkäufe von Immobilien seit 1995. Und selbst im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahr 2024 wurden noch weniger Häuser verkauft.
Viele Verkäufer zogen ihre Angebote ganz zurück – laut Daten von Realtor.com lag dieser Rückgang rund 50 % über dem Vorjahreswert. Der Grund: Die Einsicht, dass die „goldenen Jahre“ des Immobilienbooms vorbei sind, fällt schwer.
Fazit: Ein Markt im Schwebezustand
Der US-Immobilienmarkt zeigt deutlich, wie fragile Märkte auf steigende Zinsen, wirtschaftliche Unsicherheit und unrealistische Preisvorstellungen reagieren. Käufer warten auf günstigere Gelegenheiten, Verkäufer auf bessere Zeiten – und dazwischen: ein Rekord an geplatzten Verträgen.
Ob sich das Gleichgewicht im Jahr 2026 wiederherstellen lässt, bleibt offen. Sicher ist nur: Geduld wird zum wichtigsten Investment.
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