Mehrere demokratische Abgeordnete im US-Kongress haben den Online-Konzern Amazon wegen eines millionenschweren Filmdeals über First Lady Melania Trump in den Fokus genommen. Sie prüfen, ob die Vereinbarung möglicherweise gegen US-Gesetze zur Korruptionsbekämpfung verstoßen könnte.
In einem Schreiben vom 15. März an Amazon-Chef Andy Jassy, das vorab von USA TODAY veröffentlicht wurde, fordert die demokratische Senatorin Elizabeth Warren gemeinsam mit weiteren Abgeordneten Aufklärung über den Deal. Amazon MGM Studios hatte die Rechte an dem Film und einer begleitenden Dokumentarserie mit dem Titel „Melania“ für rund 40 Millionen Dollar gekauft. Zusätzlich investierte das Unternehmen laut Medienberichten etwa 35 Millionen Dollar in Marketing.
Der Film begleitet Melania Trump in den Wochen vor der zweiten Amtseinführung ihres Mannes Donald Trump. Obwohl Kritiker bemängelten, dass die Produktion nur wenig neue Einblicke in das Leben der First Lady liefert, spielte sie am Startwochenende rund 7 Millionen Dollar an den Kinokassen ein.
Die demokratischen Politiker sehen den ungewöhnlich hohen Preis jedoch kritisch. In ihrem Brief schreiben sie, die „außergewöhnlich hohe Summe“ werfe die Frage auf, ob Amazon damit politischen Einfluss oder eine günstigere Behandlung durch die Regierung erreichen wollte.
„Wenn große Konzerne der Familie eines amtierenden Präsidenten Dutzende Millionen Dollar zahlen, wirft das ernsthafte Fragen zur Unternehmensführung und zur Integrität unseres politischen Systems auf“, heißt es in dem Schreiben.
Die Abgeordneten argumentieren, dass Amazon wirtschaftlich stark von Entscheidungen der Trump-Regierung betroffen sein könnte. So läuft derzeit unter anderem eine Kartellklage der US-Handelsaufsicht FTC gegen den Konzern wegen angeblicher monopolistischer Praktiken im Onlinehandel. Außerdem könnten Handelspolitik, Zölle oder Steuerregelungen Auswirkungen auf das Unternehmen haben.
Auch Amazons Raumfahrtunternehmen Blue Origin wird in dem Brief erwähnt. Die Firma hat in der Vergangenheit Milliardenaufträge aus dem Verteidigungsbereich erhalten. Kritiker sehen darin einen weiteren möglichen Anreiz für Amazon, ein gutes Verhältnis zur Regierung zu pflegen.
Die Abgeordneten verlangen nun detaillierte Antworten von Amazon bis 30. März. Unter anderem wollen sie wissen:
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warum Amazon bereit war, eine so hohe Summe für die Filmrechte zu zahlen,
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welche Kommunikation es zwischen Amazon, der Trump-Familie oder Regierungsvertretern gab,
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und welche Maßnahmen das Unternehmen ergriffen hat, um Korruptionsgesetze einzuhalten.
Elizabeth Warren erklärte dazu: „Große Konzerne dürfen sich nicht freikaufen, um Strafen oder Steuern zu vermeiden. Wenn Amazon versucht, die Regierung zu bestechen, müssen Unternehmen und Verantwortliche mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.“
Amazon hat in der Vergangenheit ähnliche Vorwürfe zurückgewiesen. Das Unternehmen betonte, man habe den Film lediglich lizenziert, weil man glaube, dass Kunden Interesse daran haben.
Die Dokumentation sorgt auch aus anderen Gründen für Diskussionen. Regie führte Brett Ratner, der seit Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens im Jahr 2017 lange keinen Film mehr gedreht hatte. Zudem gilt „Melania“ als einer der teuersten nicht-musikalischen Dokumentarfilme der Filmgeschichte.
Während Kritiker die Produktion teilweise scharf kritisierten, erhielt sie beim Publikum deutlich bessere Bewertungen. Der Film ist inzwischen auf Amazon Prime Video verfügbar.
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