Der Arbeitsmarkt in den USA hat im Februar deutlich an Dynamik verloren. Nach Schätzungen des US-Arbeitsministeriums (Bureau of Labor Statistics) gingen 92.000 Arbeitsplätze verloren – deutlich mehr als von Experten erwartet. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass Unternehmen derzeit zurückhaltend bei Neueinstellungen sind.
Unsicherheit bremst Einstellungen
Viele Firmen agieren vorsichtig. Gründe dafür sind unter anderem Inflationsdruck durch Zölle, geopolitische Spannungen und die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI). Diese Faktoren sorgen dafür, dass Unternehmen zwar Personal nicht unbedingt entlassen, gleichzeitig aber auch keine neuen Mitarbeiter einstellen.
Bereits im Januar hatte sich das Wachstum am Arbeitsmarkt verlangsamt. Damals wurden nach revidierten Zahlen noch 126.000 neue Stellen geschaffen. Insgesamt blieb das Jobwachstum auch 2025 schwach: Im gesamten Jahr entstanden lediglich 181.000 neue Jobs, durchschnittlich etwa 15.000 pro Monat.
Wirtschaft wächst trotz schwacher Jobzahlen
Trotz der schwachen Beschäftigungsentwicklung wächst die US-Wirtschaft weiter. Ökonomen sehen darin einen Hinweis auf steigende Produktivität pro Arbeitnehmer. Ein möglicher Grund könnte der zunehmende Einsatz von KI sein.
Experten betonen jedoch, dass der Einfluss der Technologie noch nicht eindeutig zu messen sei. Unternehmen seien unsicher, wie stark KI künftig Arbeitsplätze verändern werde. Daher halte sich derzeit eine Art „Low-Hire-Low-Fire“-Situation: Firmen entlassen nur wenige Beschäftigte, stellen aber auch kaum neue ein.
Arbeitslosenquote steigt leicht
Die Arbeitslosenquote stieg im Februar auf 4,4 Prozent, nachdem sie im Januar noch bei 4,3 Prozent gelegen hatte. Vor einem Jahr betrug sie 4,1 Prozent.
Ökonomen weisen darauf hin, dass Faktoren wie eine alternde Bevölkerung und geringere Einwanderung dazu führen könnten, dass künftig weniger neue Arbeitsplätze nötig sind, um die Arbeitslosenquote stabil zu halten.
Einige Branchen verlieren Jobs
Mehrere Wirtschaftszweige verzeichneten im Februar Stellenverluste:
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Gesundheitswesen: minus 28.000 Stellen
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Informationssektor: minus 11.000 Stellen
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Bundesverwaltung: minus 10.000 Stellen
Der Rückgang im Gesundheitsbereich hängt unter anderem mit einem größeren Streik von Beschäftigten des Gesundheitskonzerns Kaiser Permanente zusammen.
Ein Lichtblick war dagegen der Bereich soziale Dienstleistungen, in dem etwa 9.000 neue Arbeitsplätze entstanden. In anderen Branchen wie Bau, Industrie und Handel blieb die Beschäftigung weitgehend stabil.
Löhne steigen – aber ungleich
Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Februar um 0,4 Prozent auf 37,32 Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich ein Plus von 3,8 Prozent.
Allerdings profitieren nicht alle Einkommensgruppen gleichermaßen. Laut einer Analyse des Bank of America Institute entwickelten sich die Löhne unterschiedlich:
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Höhere Einkommen: +4,2 %
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Mittlere Einkommen: +1,2 %
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Niedrige Einkommen: +0,6 %
Ein Grund dafür ist, dass Jobwechsel heute weniger Gehaltssprünge bringen als während der sogenannten „Great Resignation“ nach der Pandemie.
Schwierige Lage für Jobsuchende
Obwohl die Zahl der angekündigten Entlassungen im Februar auf 48.307 zurückging, berichten viele Arbeitssuchende von Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden. Besonders Hochschulabsolventen stehen zunehmend im Wettbewerb mit automatisierten Systemen und KI-Anwendungen.
Eine Umfrage der Plattform MyPerfectResume zeigt zudem eine wachsende Unsicherheit: Ein Drittel der Beschäftigten fürchtet, 2026 seinen Job zu verlieren, und fast die Hälfte erwartet eine Verschlechterung des Arbeitsmarktes.
Zinspolitik der US-Notenbank
Die US-Notenbank (Fed) hatte im vergangenen Jahr mehrfach die Zinsen gesenkt, pausierte jedoch zuletzt im Januar. Experten erwarten, dass die Fed zunächst die wirtschaftlichen Folgen geopolitischer Konflikte und die Inflationsentwicklung abwartet.
Derzeit rechnen viele Analysten damit, dass die Fed frühestens im Juni 2026 erneut die Zinsen senken könnte. Entscheidend werden dabei vor allem die kommenden Inflationsdaten sein.
Die weitere Entwicklung des Arbeitsmarktes bleibt damit ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Lage der USA
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