Ein Erfahrungsbericht aus dem Depot eines Menschen ohne Nerven
Diese Woche war wieder eine dieser Wochen, in denen man morgens ins Depot schaut und sich fragt, ob man versehentlich auf „Hardcore-Modus“ umgestellt hat. Bitcoin, Gold, Silber, Tech-Aktien – alles, worin ich investiert bin (also: alles), hat beschlossen, gleichzeitig nervös zu werden.
Montag noch Millionär im Kopf, Mittwoch psychisch vorbereitet auf ein minimalistisches Leben mit Haferflocken, Freitag dann wieder vorsichtiger Optimismus. Die Märkte nennen das „Volatilität“. Ich nenne es emotionalen Hochleistungssport.
Bitcoin: vom Allzeithoch direkt ins Bauchgefühl
Bitcoin war ja lange mein Lieblingskind. 125.000 Dollar im Juli! Unterstützung aus der US-Regierung! Trump! Krypto-Zukunft!
Ende Jänner noch gemütliche 88.000 Dollar – und dann diese Woche: Freier Fall mit Zwischenschreien.
Freitagmorgen: 60.000 Dollar.
Mein innerer Monolog:
„Das ist sicher nur eine gesunde Korrektur.“
Zehn Minuten später:
„Was ist eigentlich gesund an Kryptowährungen?“
Am Nachmittag dann wieder 71.000 Dollar. Also alles gut. Also… relativ. Also… ich atme wieder.
Experten sprechen von milliardenschweren Liquidationen, gehebelten Wetten und automatischen Verkäufen. Ich spreche von Menschen, die mit geliehenem Geld Dinge gekauft haben, die man nicht mal anfassen kann.
Weniger Lust auf Risiko – leider auch bei mir
Analysten erklären den Absturz mit geopolitischen Spannungen, Iran, Grönland, Zinsen, Fed, Kevin Warsh.
Ich erkläre ihn so:
👉 Alle hatten plötzlich gleichzeitig Angst.
Höhere Zinsen machen Staatsanleihen wieder sexy. Staatsanleihen!
Dinge, bei denen man sich früher gefragt hat, ob sie überhaupt existieren. Jetzt sind sie plötzlich der Fels in der Brandung, während mein Krypto-Portfolio wild um sich schlägt.
Institutionelle Investoren ziehen sich zurück. Ich bleibe natürlich drin.
Nicht aus Überzeugung – aus Gewohnheit.
Gold und Silber: der sichere Hafen mit Wellengang
Zum Glück habe ich ja auch Edelmetalle. Sicherheit! Stabilität! Jahrtausende Wertaufbewahrung!
Diese Woche: Preiscrash.
Gold macht kurz einen Abgang, Silber stolpert hinterher. Offenbar haben selbst Metalle gemerkt, dass diese Woche für niemanden leicht wird. Immerhin: Gold hat sich wieder erholt. Ein kleiner Trost. Glänzt wenigstens etwas in meinem Depot.
Tech-Aktien: KI macht jetzt auch Angst
Und dann Tech. Ach, Tech.
Auslöser der Panik: Ein neues KI-Modul von Anthropic, das plötzlich juristische Arbeit und Finanzanalysen kann.
Meine Reaktion:
„Moment. Das ist doch genau das, wofür wir KI wollten?“
Marktreaktion:
„VERKAUFEN!!“
SaaS-Unternehmen stürzen ab, Index von 15.896 auf 13.000 Punkte. Microsoft, Adobe, Salesforce, Oracle – alles dabei. Mein Depot sieht aus wie ein historischer Überblick über falsch getimte Euphorie.
Big Tech investiert – Anleger schwitzen
Amazon will 200 Milliarden Dollar in KI, Chips, Robotik und Satelliten investieren.
Mein erster Gedanke: Wow, Zukunft!
Der Markt: Minus acht Prozent.
Offenbar mögen Anleger Zukunft nur, wenn sie sofort profitabel und bitte ohne Kosten ist.
Freitag: Erlösung (vorerst)
Dann Freitag. Die Börse beschließt kollektiv:
„Okay, reicht jetzt.“
Dow Jones über 50.000 Punkte. Rekord!
S&P 500 steigt. Nasdaq auch.
Ich starre auf den Bildschirm und denke:
„Also war alles doch nicht so schlimm?“
Fazit aus Anlegersicht
Diese Woche hat mir wieder gezeigt:
-
Diversifikation heißt: Alles fällt gleichzeitig
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Langfristdenken heißt: Kurzfristig leiden
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„Ruhig bleiben“ ist leichter gesagt, wenn man nicht überall investiert ist
Aber hey: Solange der Dow Rekorde feiert, Bitcoin wieder aufsteht und Gold glänzt, bleibe ich optimistisch.
Oder wie wir Anleger sagen:
👉 „Das ist alles eingepreist.“
(Was genau, weiß zwar niemand – aber es klingt beruhigend.)
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