Nach dreieinhalb Jahren scharfer Würze im Brüsseler Bürokratentopf ist es nun entschieden: Die Türkei hat ihren Antrag zurückgezogen, den Döner als „garantiert traditionelle Spezialität“ in der EU schützen zu lassen. Damit ist das Schreckgespenst vom Einheitsdöner erst einmal vom Spieß genommen.
Döner nach Vorschrift?
Der Internationale Dönerverband (UDOFED) wollte durchsetzen, dass Döner künftig nur noch aus streng definiertem Fleisch bestehen darf: mindestens 16 Monate alte Rinder oder Schafe ab sechs Monaten – alternativ Hühnerbrust oder -schenkel. Marinade, Schnittdicke, Einlegezeit – alles sollte minutiös geregelt werden.
Gemüse, Kalb oder Pute? Wären dann illegal gewesen. Mit anderen Worten: Der Gemüsedöner – Kultgericht vieler Großstädte – wäre schlicht verboten worden.
Aufatmen in Deutschland
In Deutschland schlugen Produzenten, Imbissbetreiber und Fleischlieferanten schon Alarm. Von Söder bis Özdemir war man sich einig: „Der Döner gehört zu Deutschland – und zwar so, wie wir ihn wollen.“
Das Landwirtschaftsministerium, der Hotel- und Gaststättenverband und selbst der Verein türkischer Dönerhersteller in Europa liefen Sturm. Schließlich geht es hier nicht nur ums Prinzip, sondern auch um eine Branche mit Milliardenumsatz.
Politisches Würzen
Warum die Türkei den Antrag ursprünglich stellte, bleibt bis heute ein Rätsel – zumal die größten Gegner von Anfang an im eigenen Lager saßen. EU-Kreise munkeln, dass Ankara demütig zurückruderte, bevor Brüssel das Projekt offiziell vom Grill nahm.
Happy End im Fladenbrot
Die deutsche Dönerindustrie zeigte sich am Donnerstag erleichtert: Vielfalt bleibt erhalten, Experimente mit Pute, Kalb, Gemüse oder exotischen Soßen weiterhin erlaubt. Der Döner bleibt das, was er seit den 1970er Jahren in Berlin und darüber hinaus geworden ist: ein bissfestes Symbol der Einwanderungskultur – und ein Geschäft mit Milliardenumsätzen.
Oder wie es ein Produzent zusammenfasste: „Die Leute wollen keinen Einheitsdöner, sie wollen ihren Döner.“
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