Forschende der Technischen Universität Wien haben gemeinsam mit europäischen Partnern ein Verfahren zur thermochemischen Wärmespeicherung patentieren lassen. Mit dieser Technologie soll Wärme nahezu verlustfrei und über sehr lange Zeiträume gespeichert werden können. Erste Prototypen wurden nun in Wien vorgestellt.
Funktionsweise der Technologie
Das Verfahren basiert auf der Kombination eines Salzhydrats mit einem Thermoöl als Trägerlösung. Wird Wärme zugeführt, spaltet sich Wasser aus dem Salzhydrat ab – der Stoff geht in einen sogenannten „aktivierten Zustand“. In diesem Zustand lässt er sich problemlos lagern und transportieren, beispielsweise über Rohrleitungen oder in Tanks.
Wird später wieder Wasser hinzugegeben, wird die gespeicherte Wärme freigesetzt. Da das Salzhydrat nicht verbraucht wird, ist ein dauerhafter Einsatz möglich.
Anwendungsbereiche
Das Team um Verfahrenstechniker Franz Winter untersucht derzeit die Nutzung für industrielle Abwärme, die bislang größtenteils ungenutzt an die Umgebung abgegeben wird. Auch eine saisonale Speicherung – etwa von Sommerwärme für den Winter – gilt als langfristiges Ziel.
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Prototypen mit 5 Kilowatt Leistung (für ein Niedrigenergiehaus) und 30 Kilowatt Leistung (für mehrere Gebäude) sind bereits in Betrieb.
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Perspektivisch sollen Speicherlösungen für 100 bis 1.000 Kilowatt entwickelt werden, um sie in der Industrie einsetzen zu können.
Nachhaltigkeit im Fokus
Das Verfahren kommt ohne seltene Metalle oder Erden aus. Salzhydrate sind weit verbreitet und leicht verfügbar, wodurch die Technologie auf einen geringen Ressourcenverbrauch ausgelegt ist.
Speicherung über Jahrzehnte möglich
Laut TU Wien kann die gespeicherte Wärme jahrelang, potenziell über Jahrzehnte, nahezu verlustfrei wieder abgerufen werden. „Technisch gibt es hier keine Grenzen“, so Winter.
Wirtschaftlichkeit entscheidend
Derzeit werden Wirtschaftlichkeitsanalysen durchgeführt. Sollten die Ergebnisse des 30-Kilowatt-Prototyps positiv ausfallen, könne die Entwicklung rasch in Richtung Marktreife gehen. Schon in wenigen Jahren sei eine industrielle Serienproduktion für Haushalte und kleinere Betriebe denkbar.
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