Nach einem massiven Erdbeben der Stärke 8,8 vor der fernöstlichen Küste Russlands sind Tsunamiwellen auf Hawaii, der US-Westküste und weiteren Pazifikregionen eingetroffen. Das Beben gilt als eines der sechs stärksten jemals gemessenen und ereignete sich in geringer Tiefe nahe der Halbinsel Kamtschatka.
Evakuierungen auf Hawaii und an der US-Westküste
In Hawaii wurden sofortige Evakuierungen angeordnet. Gouverneur Josh Green rief die Bevölkerung auf, die Küstengebiete „umgehend zu verlassen“ und betonte: „Die Welle wird nicht nur einen Strand treffen – sie wird sich um die Inseln legen.“ Auch der Bürgermeister von Honolulu forderte dazu auf, sich in höhere Gebiete zu begeben. Über 90 Schiffe verließen als Vorsichtsmaßnahme den Hafen von Honolulu.
In Kalifornien, Oregon und Washington erreichten Tsunamiwellen von bis zu 1,6 Fuß (etwa 50 Zentimeter) Höhe die Küsten. Insbesondere die nördliche Küste Kaliforniens steht unter Tsunamiwarnung, für andere Küstenabschnitte gilt eine Tsunami-Advisory. Die National Weather Service (NWS) warnt weiterhin vor gefährlichen Strömungen und möglichen weiteren Wellen über mehrere Stunden.
Globale Auswirkungen im Pazifik
Neben Hawaii und der US-Westküste wurden auch Alaska, Japan, Guam, Russland sowie Inselstaaten wie Papua-Neuguinea, die Salomonen und Vanuatu von Tsunamiwellen getroffen oder gewarnt. In Japan wurden über 1,9 Millionen Menschen zur Evakuierung aufgerufen. Berichte zeigen, wie Menschen auf Hausdächer flüchteten, insbesondere auf der Insel Hokkaido.
In Russland verursachten die Wellen schwere Schäden in Severo-Kurilsk: Boote wurden losgerissen und Container ins Meer gespült. Die russischen Behörden riefen den Notstand aus. Auch in Guam, einem US-Territorium, wurde ein Anstieg des Wasserspiegels um bis zu 30 Zentimeter beobachtet.
Warum war das Beben so gefährlich?
Das Erdbeben trat in einer Tiefe von nur 20,7 Kilometern auf – ein typisches Merkmal für sogenannte „flache Beben“, die besonders zerstörerisch sein können. „Solche Erschütterungen setzen enorme Energiemengen frei und erzeugen bei Nähe zur Küste schnell Tsunamis“, erklärte Dr. Mohammad Kashani, Strukturingenieur an der University of Southampton.
Internationale Reaktionen
Zahlreiche pazifische Staaten – darunter die Philippinen, Indonesien, Chile, Peru, Panama, Mexiko und Taiwan – gaben Tsunamiwarnungen oder -beobachtungen heraus. In vielen Küstenregionen wurden Notfallpläne aktiviert, Notunterkünfte geöffnet und Verkehr umgeleitet.
Die Behörden rufen weiterhin zur Vorsicht auf. Menschen in betroffenen Gebieten sollen sich von Küsten und Wasserwegen fernhalten und den Anweisungen lokaler Behörden Folge leisten.
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