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Die Macht und Faszination des Meeres: Als Surfer einen Tsunami erwarten

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Am 29. Juli erschütterte ein Erdbeben der Stärke 8,8 die Region vor der Halbinsel Kamtschatka in Russland. Daraufhin wurden im gesamten Pazifikraum Tsunami-Warnungen herausgegeben. Auch Hawaii und die US-Westküste registrierten Wellenbewegungen – zunächst mit Evakuierungsanweisungen, die später wieder aufgehoben wurden. Die Strände wurden nach und nach wieder geöffnet.

Kaum war die Warnung ausgesprochen, füllte sich mein Handy mit Nachrichten. „Bist du in Sicherheit?“, „Solltest du in höhere Lagen fliehen?“ – typische Fragen, wenn man, wie ich, als Surfer an der Küste Südkaliforniens lebt.

Ich habe mein Leben den Wellen gewidmet, reise um die Welt auf der Suche nach der perfekten Brandung. Die Energie des Ozeans zieht mich an – aber er ist auch gnadenlos. Die zentrale Frage, die sich viele stellten: Wie groß wird dieser Tsunami? Und für uns Surfer: Kann man so etwas surfen?

Tsunamis sind keine gewöhnlichen Wellen

Normale Wellen entstehen durch Wind über dem offenen Meer, der die Wasseroberfläche in Bewegung bringt. So bilden sich sogenannte „Swells“, die tausende Kilometer zurücklegen können, bevor sie an Riffen oder Stränden brechen – zur Freude der Surfer.

Tsunamis hingegen entstehen plötzlich und gewaltsam – meist durch massive tektonische Verschiebungen unter dem Meeresboden. Beim Kamtschatka-Beben wurde in Sekundenbruchteilen eine gewaltige Menge Wasser verdrängt – eine Energie, die sich unaufhaltsam in alle Richtungen ausbreitet.

Man kann es sich vorstellen wie in einer Badewanne: Pustet man über die Oberfläche, entstehen kleine Wellen. Setzt man sich plötzlich auf, schwappt das Wasser über den Rand – ein Mini-Tsunami.

Doch zurück zur Wissenschaft: Die Größe einer Welle hängt von ihrer Höhe, der Wellenlänge und der Beschaffenheit des Meeresbodens ab. Eine allmähliche Verflachung dämpft die Welle, während ein plötzlicher Anstieg der Küste sie in die Höhe schießen lässt – was sogenannte „Slabs“ entstehen lässt, wie man sie bei den berühmten Surfspots Pipeline (Hawaii) oder Teahupo’o (Tahiti) findet.

Der springende Punkt bei Tsunamis ist jedoch nicht ihre Höhe, sondern ihre Länge – oder genauer gesagt: ihre „Periodizität“. Professor Falk Fedderson vom Scripps Institute of Oceanography erklärt, dass normale Swells etwa alle 10 bis 20 Sekunden auftreten. Tsunamis hingegen können einen Abstand von 10 bis 15 Minuten haben – das bedeutet tausende Meter zwischen den Wellenkämmen. Diese enorme Wassermasse konzentriert sich an flachen Küsten auf dramatische Weise.

Sind Tsunamis surfbar?

Kurz gesagt: Nein.

Die Universität Hawaii in Hilo stellt klar: Tsunamis haben keine „Gesichter“, keine definierte Wellenfront wie Surf-Wellen – sie sind eher eine unaufhaltsame Wand aus weißem Wasser. Keine Chance für elegantes Surfen.

Dennoch – die Vorstellung lässt Surfer nicht los.

Nach Wochen miserabler Bedingungen an der kalifornischen Küste – kleine, unordentliche Wellen, nichts Nennenswertes – war ich versucht. Die Behörden gaben Entwarnung, es gab keine Evakuierung, lediglich eine Tsunami-Warnung.

„Starke Strömungen und Tsunami-Wellen sind möglich“, sagte mir Chuck Westerheide vom San Diego County. „Gefährlich wird es vor allem für Menschen im Wasser.“

Ich beobachtete stundenlang die Surfkameras auf Waikiki Beach in Oahu. Nichts Außergewöhnliches. Und doch fragte ich mich: Sollte ich an meinen alten Spot, WindanSea in San Diego, fahren und es wagen?

Fedderson riet eher ab – „Das übersteigt zwar meine Expertise, aber ich denke, es wäre keine gute Idee“, sagte er. Selbst bei einem halben Meter Amplitude sei ein Tsunami potenziell lebensgefährlich. Tatsächlich lag die Wellenhöhe wohl eher bei einem Zentimeter. Also keine spektakuläre Welle – und definitiv keine, für die es sich lohnt, sich nachts mit Haifischgedanken ins Wasser zu legen.

 

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