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TSMC zahlt „Schutzgeld“? Kritik an 100-Milliarden-Dollar-Investition in die USA

petikadlec (CC0), Pixabay
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Eine überraschende Zeremonie im Weißen Haus hat weltweit für Aufsehen gesorgt: Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), einer der wichtigsten Technologiekonzerne der Welt, kündigte an, 100 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner US-Standorte zu investieren – die bislang größte Auslandsinvestition eines nicht-amerikanischen Unternehmens.

Doch während sich US-Präsident Donald Trump bei der Präsentation als Durchsetzer „wirtschaftlicher Stärke“ präsentierte, herrscht in Taiwan Verunsicherung. Dort sehen viele Beobachter das als Zugeständnis unter Druck – manche sprechen sogar von einem „Schutzgeld“, das Taiwan zur Sicherung politischer Unterstützung aus Washington zahlen müsse.

Sorge um nationale Sicherheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit

Taiwans Ex-Präsident Ma Ying-jeou (KMT) bezeichnete den Schritt als „nationale Sicherheitskrise“ und warf der amtierenden Regierung vor, TSMC „verkauft“ zu haben. Auch die Bevölkerung zeigt sich gespalten: Während manche den Schritt als strategisch kluge Investition sehen, fürchten andere den Verlust des wirtschaftlich wichtigsten Guts der Insel.

Denn TSMC produziert mehr als 90 % der weltweit fortschrittlichsten Halbleiter, die in Smartphones, KI-Systemen, Fahrzeugen und Militärtechnik unverzichtbar sind. Für Taiwan gilt die Chipindustrie als „Silicon Shield“ – ein technologischer Schutzschild, der im Fall eines Konflikts mit China abschrecken soll.

Trump setzt auf wirtschaftlichen Druck statt Subventionen

Die US-Regierung erklärte, TSMC habe sich zu der Investition entschlossen, um hohen Strafzöllen zu entgehen. Während Trumps Vorgänger Joe Biden mit Subventionen wie dem CHIPS Act inländische Investitionen förderte, bevorzugt Trump das Druckmittel Zölle. Auch Unternehmen wie Apple, OpenAI und Oracle kündigten in den letzten Wochen milliardenschwere US-Investitionen an – offenbar aus ähnlichem Kalkül.

TSMC versichert indes, die Forschung und Entwicklung bleibe fest in Taiwan verankert. Die neuen US-Werke sollen vorrangig der Nachfrage amerikanischer Großkunden wie Apple, Nvidia und Qualcomm dienen.

Kritiker warnen vor gefährlichem Präzedenzfall

Ökonomen wie Chang-Tai Hsieh von der University of Chicago warnen jedoch vor den Risiken eines solchen Vorgehens:

„Wenn man einmal auf Erpressung eingeht, gibt es kein Ende.“

Trump könnte in Zukunft ähnliche Forderungen an Unternehmen wie Samsung, Intel oder SK Hynix stellen. Doch ob wirtschaftlicher Druck wirklich langfristige Sicherheit schafft – darüber wird in Taiwan, den USA und darüber hinaus noch lange gestritten werden.

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