Kaffee trinken wird teurer – und das nicht nur wegen der globalen Lieferkettenprobleme oder des Klimawandels. Die Importzölle der Trump-Regierung auf Kaffeebohnen aus wichtigen Anbauländern wie Brasilien, Vietnam und Kolumbien setzen US-Kaffeeröstereien zunehmend unter Druck – und damit auch ihre Kundschaft.
Im August stiegen die Einzelhandelspreise für Kaffee im Vergleich zum Vorjahr um fast 21 %. Die höchsten Zölle treffen derzeit Brasilien mit 50 %, Vietnam mit 20 % und Kolumbien mit 10 % – Länder, aus denen zusammen über die Hälfte der in den USA konsumierten Kaffeebohnen stammen.
US-Kaffee fast vollständig importiert
Laut der National Coffee Association importieren die USA über 99 % ihres Kaffees. Auf Brasilien entfallen dabei über 30 %, auf Kolumbien rund 18 % und auf Vietnam etwa 6,6 % der Gesamtmenge.
Das Ergebnis: Einfache Tassen Filterkaffee in Cafés werden teurer. Laut Daten des Restaurant-Softwareanbieters Toast kostete eine durchschnittliche Tasse im August 3,52 Dollar – zehn Cent mehr als im Vorjahr. In Washington D.C. lag der Preis mit 4,21 Dollar sogar noch höher.
Kleine Röstereien kämpfen ums Überleben
Swing’s Coffee Roasters, eine Traditionsrösterei mit drei Standorten in Virginia und D.C., spürt die Folgen besonders. Gründer Mark Warmuth sagt: „Die Zölle schaffen eine wirklich schwierige Lage – und am Ende zahlt der Konsument die Rechnung.“
Ein Preissprung um 10–15 Cent pro Tasse sei realistisch, so Warmuth. Auch wenn die Rohbohnen 50 % teurer würden, sei es unwahrscheinlich, dass der Preis pro Tasse im gleichen Maß steige – zu groß wäre die Gefahr, Kunden zu verlieren.
Auch Chris Vigilante, Inhaber der Vigilante Coffee Company mit Standorten in Maryland und Kalifornien, sieht steigende Einkaufspreise: Eine Pfund Bohnen kostet statt 4 $ mittlerweile bis zu 6 $. Für Konsumenten bedeutet das Preiserhöhungen von 50 Cent bis 1 Dollar pro 12-Unzen-Packung.
Trotz allem bleibt Vigilante optimistisch: „Wir suchen nach neuen Lieferländern, um Preisniveaus zu halten und Vielfalt zu schaffen. Guter Spezialitätenkaffee muss nicht unerschwinglich werden.“
Ein Kaffee-Luxus mit Grenzen
Für viele in Washington ist Kaffee trotz steigender Preise weiterhin ein „erschwinglicher Luxus“. „Ob der Kaffee nun 3 oder 3,50 Dollar kostet – das hält kaum jemanden davon ab, ihn morgens zu kaufen“, so Warmuth.
Doch für die Röster im Hintergrund bleibt die Lage angespannt. Doug Ilg, Betreiber von Celtic Cup Coffee Roasting in Maryland, meidet brasilianische Bohnen ganz bewusst – zu teuer durch die 50 % Zoll. Er importiert nicht selbst, kauft aber bei Großhändlern – und auch dort sind die Preise in den letzten acht Monaten deutlich gestiegen.
Gesetz gegen Kaffeesteuer in Planung
Ein Hoffnungsschimmer: Die US-Abgeordneten Don Bacon (Republikaner, Nebraska) und Ro Khanna (Demokrat, Kalifornien) haben im September das Gesetz „No Coffee Tax Act“ eingebracht, das Kaffee von Zöllen befreien soll. Die Chancen auf Verabschiedung gelten aktuell jedoch als gering.
Fazit: Teurer Kaffee, ungewisse Zukunft
Für Kaffeeröster, Cafés und kleine Betriebe ist die Lage zunehmend schwierig. Die Kombination aus hohen Zöllen, Klimaeinflüssen, gestiegenen Löhnen und Inflation bringt viele an ihre Grenzen. Selbst auf Bauernmärkten wie bei Qualia Coffee in D.C. stellt sich die Frage: „Können wir nächstes Jahr überhaupt noch öffnen?“, so Inhaber Joel Finkelstein.
Trumps Zölle treffen nicht nur große Händler – sie belasten vor allem die Kleinen. Und am Ende landet der Preisaufschlag in der Tasse der Verbraucher.
Kommentar hinterlassen