In einer politischen Landschaft, in der das Waffenrecht meist klare Fronten kennt, sorgt Donald Trump erneut für Chaos – oder, wie ein Experte es nennt, ein „Bizarro-Universum“. Trotz seiner wiederholten Beteuerungen, der „beste Freund der Waffenbesitzer im Weißen Haus“ zu sein, hat Trump mit seinen jüngsten Aussagen einmal mehr die Pro-Waffen-Lobby gegen sich aufgebracht – und ausgerechnet liberale Kritiker als Verteidiger der Waffentragerechte positioniert.
Auslöser war Trumps Reaktion auf die tödliche Erschießung von Alex Pretti durch ICE-Beamte in Minneapolis. Pretti, ein bewaffneter Demonstrant, wurde erschossen – obwohl Videoaufnahmen widersprüchliche Darstellungen der Behörden zeigten. Trump erklärte: „Man kann nicht einfach mit einer Waffe herumlaufen.“ Eine Aussage, die unter Second-Amendment-Verfechtern wie ein Tabubruch wirkte.
Die NRA (National Rifle Association), einst Trumps treueste Unterstützerin, reagierte ungewohnt kühl: „Jeder gesetzestreue Bürger hat das Recht, Waffen zu tragen – überall, wo er sich legal aufhält.“ Die NRA nannte Trump zwar nicht beim Namen, doch die Distanz war spürbar. Beobachter werten die Reaktion als Zeichen eines allgemeinen Machtverlusts der Organisation, die nach Skandalen und Führungswechseln stark an Einfluss verloren hat.
Noch absurder: Demokraten wie Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom verteidigten Prettis Recht auf Waffenbesitz bei Protesten – während Republikaner plötzlich dafür plädierten, genau das einzuschränken.
Während seiner ersten Amtszeit hatte Trump bereits mehrmals mit dem Waffenlager gebrochen – etwa nach dem Schulmassaker in Parkland 2018, als er überraschend strengere Waffengesetze vorschlug, nur um wenig später zurückzurudern. Auch die nach dem Massaker in Las Vegas erlassene Bump-Stock-Regel (inzwischen vom Supreme Court kassiert) zeigte seine Zickzack-Linie.
Obwohl Trump oft zurückrudert, zeigt der aktuelle Fall: Seine impulsiven Aussagen können politische Allianzen durcheinanderwirbeln – und offenbaren, wie sehr sich Waffenrecht, Parteipolitik und persönliches Machtkalkül bei ihm vermischen. Selbst eingefleischte Waffenlobbyisten trauen dem Ex-Präsidenten inzwischen nicht mehr blind.
Kurzum: In Trumps Waffenpolitik ist nichts heilig – außer vielleicht Donald Trump selbst.
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