Startseite Allgemeines Trumps „Regimewechsel“ in Iran? In Wahrheit hat er kein Regime gestürzt – er hat ein noch härteres geschaffen.
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Trumps „Regimewechsel“ in Iran? In Wahrheit hat er kein Regime gestürzt – er hat ein noch härteres geschaffen.

tweetyspics (CC0), Pixabay
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Donald Trump verkauft den Krieg gegen Iran als historischen Erfolg.
Seine Botschaft: Das alte Regime sei „zerstört“, die neue Führung sei angeblich „weniger radikal“ und „vernünftiger“.

Das Problem ist nur: Genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Denn was Trump als „Regime Change“ feiert, ist bei näherem Hinsehen kein echter Systemwechsel – sondern eher eine blutige Umbesetzung an der Spitze eines unverändert brutalen Machtapparats.
Die Islamische Republik ist nicht verschwunden.
Die theokratische Diktatur steht noch.
Die Unterdrückungsmechanismen stehen noch.
Die Revolutionsgarden stehen noch.
Und wenn überhaupt etwas „neu“ ist, dann dies:
Das Regime wirkt jetzt noch härter, paranoider und kompromissloser als zuvor.

Politikwissenschaftlich ist die Sache eindeutig:
Ein echter Regimewechsel bedeutet nicht, dass einfach ein paar Köpfe ausgetauscht werden.
Ein echter Regimewechsel hieße, dass sich die Herrschaftsstruktur, die Machtzentren und die Funktionsweise des Staates grundlegend ändern.
Davon ist in Iran nichts zu sehen.

Stattdessen bleibt das Land unter derselben autoritären Ordnung, die seit 1979 herrscht – nur dass nach Krieg, Chaos und gezielten Tötungen nun offenbar genau jene Kräfte noch stärker geworden sind, vor denen selbst westliche Analysten seit Jahren warnen:
die Hardliner aus dem Umfeld der Revolutionsgarden (IRGC).

Mit anderen Worten:
Trump hat nicht die Diktatur beseitigt.
Er hat offenbar den radikalsten Teil dieser Diktatur gestärkt.

Das ist die eigentliche bittere Pointe dieses Krieges.

Denn Experten sagen inzwischen ziemlich klar:
Die neue Machtkonstellation in Teheran ist weniger kompromissbereit, stärker militärisch geprägt und enger an die Revolutionsgarden gebunden.
Also ausgerechnet an jene Organisation, die für innere Repression, Gewalt gegen Demonstranten, Zensur und regionale Eskalation steht.

Wer das als „Erfolg“ verkauft, verkauft der Öffentlichkeit eine gefährliche Illusion.

Denn die Folgen sind absehbar – und sie sind düster:

  • mehr Repression im Inneren
  • härtere Verfolgung von Dissidenten
  • noch stärkere Internet-Zensur und Überwachung
  • mehr Macht für paramilitärische Unterdrückungsapparate wie die Basij
  • weniger Spielraum für Reformkräfte
  • und wahrscheinlich ein noch größerer Anreiz, tatsächlich nach der Atombombe zu greifen

Gerade dieser letzte Punkt ist brandgefährlich.

Wenn ein Regime militärisch schwer getroffen wird, seine konventionelle Abschreckung verliert und gleichzeitig erlebt, dass nur atomar bewaffnete Staaten wie Nordkorea von direkten Angriffen weitgehend verschont bleiben, dann ist die Schlussfolgerung aus Sicht der Hardliner fast zwangsläufig:
Nur die Bombe schützt.

Das heißt:
Trump behauptet, Iran von der Schwelle zur Atommacht zurückgedrängt zu haben –
tatsächlich könnte er das Regime erst recht in Richtung Nuklearwaffe treiben.

Auch innenpolitisch ist die Lage verheerend.

Die iranische Führung ist angeschlagen, misstrauisch und zutiefst paranoid.
Und genau solche Regime reagieren selten mit Öffnung.
Sie reagieren mit Angst, Gewalt und totaler Kontrolle.

Bereits jetzt reißen Berichte über Verhaftungen, Hinrichtungen, Zensur und Abschottung nicht ab.
Das Internet ist weiterhin massiv eingeschränkt, Suchbegriffe rund um Krieg und Krise werden blockiert, kritische Stimmen werden verfolgt, Dissidenten verhaftet.

Kurz gesagt:
Wer gehofft hat, der Krieg würde das Mullah-System lockern, erlebt gerade das Gegenteil.

Die iranische Bevölkerung hat also nicht mehr Freiheit bekommen.
Sie hat womöglich eine noch brutalere Version derselben Unterdrückung bekommen.

Und genau das ist die politische Anklage gegen Trump.

Denn er behauptet, ein gefährliches Regime geschwächt zu haben.
Tatsächlich spricht vieles dafür, dass er:

  • die Hardliner gestärkt hat,
  • die Anti-Amerika-Stimmung verschärft hat,
  • die Repressionsorgane gefestigt hat,
  • und den nuklearen Anreiz erhöht hat.

Das ist kein Regimewechsel. Das ist eine strategische Selbsttäuschung mit potenziell katastrophalen Folgen.

Selbst US-Außenminister Rubio klingt inzwischen deutlich vorsichtiger als Trump.
Während Trump bereits vom „neuen, vernünftigeren Iran“ schwärmt, räumt Rubio ein, dass es genauso gut – oder wahrscheinlicher – sein könnte, dass genau das nicht der Fall ist.

Und genau darin liegt das ganze Desaster dieser Intervention:
Erst wird bombardiert, dann wird „Regime Change“ ausgerufen, und am Ende steht womöglich kein moderateres Iran, sondern ein noch militarisierteres, repressiveres und atomar motivierteres System.

Wenn man es brutal ehrlich formuliert, dann so:

Trump hat in Iran keinen Regimewechsel erreicht.
Er hat womöglich nur den Schleier weggerissen – und darunter kam ein noch härterer Sicherheitsstaat zum Vorschein.

Oder noch direkter:

Das „neue“ Iran sieht dem alten erschreckend ähnlich – nur wütender, brutaler und gefährlicher.

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