Ein Jahr nach dem Wiedereinzug von Donald Trump ins Weiße Haus fällt das Fazit vieler Wähler in Georgia gemischt aus: Von „A+“ bis „Wir halten das nicht mehr lange durch“ reichen die Stimmen – abhängig davon, wen man fragt. Während loyale Anhänger dem Präsidenten Bestnoten ausstellen, wächst unter Landwirten, Kleinunternehmern und entlassenen Fachkräften die Frustration.
„Das hält kein Farmer mehr lange durch“
Franz Rowland, ein 72-jähriger Baumwoll- und Erdnussfarmer in Südgeorgia, hat von Trumps Versprechen an die Landwirtschaft genug gehört. „Trump sagt: Geduld, der Farmer wird es bald besser haben. Aber er sollte sich beeilen – wir halten das nicht mehr lange aus“, sagt er mit Blick über seine Felder nahe der Florida-Grenze.
Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse sind niedrig, die Produktionskosten hoch. „Wir machen kein Geld. Wir versuchen nur noch, den Verlust zu begrenzen“, so Rowland.
Ladenbesitzerin: „Mein Strompreis ist nicht halbiert – er ist gestiegen“
Auch in der Stadt Macon ist die Unzufriedenheit spürbar. Spielwarenhändlerin Florence Allen beschreibt, wie Trumps wechselhafte Zollpolitik ihre Kosten explodieren ließ. „Ein Spielzeug, das früher 15 Dollar kostete, steht jetzt für 30 Dollar im Regal.“ Von Trumps Versprechen, Energiepreise zu halbieren, spürt sie nichts. „Die Stromrechnung ist gestiegen.“
Die wachsende Unzufriedenheit zeigt sich auch in den aktuellen Umfragen: 58 % der US-Amerikaner bewerten Trumps erstes Jahr als Fehlschlag. 55 % sagen, seine Politik habe die wirtschaftliche Lage verschlechtert.
An der Basis brodelt es – trotz staatlicher Hilfen
Während die Regierung ein neues Hilfspaket in Milliardenhöhe für Farmer geschnürt hat, will Rowland lieber faire Handelsbedingungen. „Ich bin nicht gegen Zölle – aber so, wie es jetzt läuft, helfen sie uns nicht“, sagt er.
Trotz der angekündigten Zahlungen sieht er düstere Zeiten auf die Landwirtschaft zukommen. „Ich habe gehofft, wir hätten inzwischen bessere Handelsabkommen. Aber ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels.“
Für treue Anhänger: Trump bleibt die Hoffnung
Ganz anders die Stimmung in Milledgeville. Dort lobt eine Rentnerin Trumps Führungsstil mit einem „A+“. Auch ein Bauunternehmer meint: „Ich habe es satt, dass die USA ständig herumgeschubst werden.“ Viele seiner Unterstützer sehen in ihm Stabilität, klare Kante und Schutz vor internationalen Bedrohungen.
Verlust von Arbeitsplätzen sorgt für Ärger
Doch nicht alle profitieren von Trumps Kurs. Vi Le, eine langjährige Mitarbeiterin im Bereich Gewaltprävention am CDC in Atlanta, verlor nach massiven Stellenstreichungen ihren Job. „Es fühlte sich an, als hätte jemand einfach alles umgeworfen – ohne Rücksicht darauf, was oder wen es trifft“, sagt sie. „Ich glaube nicht, dass die Wähler dafür gestimmt haben.“
Georgia als politischer Prüfstein
Das gespaltene Meinungsbild in Georgia ist für die anstehenden Zwischenwahlen 2026 von besonderer Bedeutung. Der Bundesstaat mit seiner bewegten jüngeren Wahlgeschichte könnte erneut zum Gradmesser für Trumps Rückhalt im Land werden – und darüber entscheiden, wie stabil sein Regierungsbündnis tatsächlich ist.
Eines scheint nach einem Jahr Trump 2.0 klar: Während der Rückhalt in seiner Kernwählerschaft weiter groß ist, bröckelt das Vertrauen vieler anderer, vor allem bei denen, die mit realwirtschaftlichen Problemen kämpfen. Und sie werden bei der Wahl das letzte Wort haben.
Kommentar hinterlassen