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Trump zwingt EU in Handelsdeal – Katastrophe knapp vermieden, aber niemand jubelt

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Mit viel Druck, Drohungen und Eitelkeit hat US-Präsident Donald Trump einen Handelsdeal mit der Europäischen Union durchgedrückt – und so eine selbst provozierte Katastrophe in letzter Minute abgewendet. Jubel? Fehlanzeige.

Nach Monaten der Eskalation, in denen Trump wiederholt mit absurden Zöllen von bis zu 50 % auf europäische Importe drohte, kam es nun zu einem sogenannten „Deal“: Die EU akzeptiert künftig pauschale US-Zölle von 15 % auf die meisten ihrer Waren. Das ist mehr als das Zehnprozentniveau von April – und ein Vielfaches der Vorkrisenwerte unter 2 %.

Ein Präsident als Brandstifter und Feuerwehrmann

Was als Verhandlung begann, entwickelte sich schnell zu einer Drohkulisse. Noch im Mai pöbelte Trump auf seinem eigenen Netzwerk Truth Social: „Unsere Gespräche mit der EU bringen nichts!“ In alter Trump-Manier ließ er dann verlauten: „Ich will keinen Deal. Ich HABE den Deal – 50 %.“ Die EU reagierte geschockt – und eilte plötzlich doch zu einem Abschluss.

Die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen telefonierte persönlich mit Trump, beschwichtigte, versprach „schnelle und entschlossene“ Schritte. Wenig später zog Trump seine Drohung zurück – und ließ sich als Macher feiern.

Ein teurer Waffenstillstand

Was nun vorliegt, ist ein fragiler Rahmenvertrag, der mehr Fragen offenlässt als er klärt. Die EU verpflichtet sich, zusätzliche Investitionen in den USA von angeblich 600 Milliarden US-Dollar zu tätigen und für 750 Milliarden Dollar amerikanische Energieprodukte zu kaufen – viele dieser Investitionen waren jedoch ohnehin schon geplant.

Im Gegenzug: Wegfall von Zöllen auf einige ausgewählte Produkte – darunter Flugzeugteile, Medikamente und Halbleiter. Für alles andere gilt der neue Basistarif von 15 %.

Das Fazit von Wirtschaftsexperten ist deutlich: „Sie werden mehr für europäische Produkte zahlen – das ist es, was dieser Deal bedeutet,“ so Joe Brusuelas, Chefökonom bei RSM. Von Handelsförderung könne keine Rede sein – es sei schlichtweg eine Steuer auf Europa.

Autobauer und Verbraucher verlieren

Besonders hart trifft es deutsche und europäische Autohersteller: Die 15 %-Zölle auf in der EU produzierte Fahrzeuge machen sie deutlich teurer. Gleichzeitig bleibt es bei 25 % auf Autos aus Mexiko – ein absurdes Ergebnis für US-Hersteller, die dort produzieren. Ein Schlag ins Gesicht für Detroit – und eine weitere Trump’sche Marktverzerrung.

Und obwohl von der Leyen behauptet, auch Pharmazeutika seien vom Zoll ausgenommen, ließ Trump sich die Option offen, Medikamente nachträglich doch mit Zöllen zu belegen. Verlässlichkeit? Fehlanzeige.

Deal ohne Vertrauen

„Wir haben es geschafft“, verkündete Trump triumphierend. Von der Leyen sprach von „Jobs und Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks“. In Wahrheit ist es ein Deal aus Angst – kein Fortschritt, sondern eine Notbremse.

Selbst Experten wie Maury Obstfeld vom Peterson Institute sind verwundert über den Inhalt: „Vieles an diesem Abkommen irritiert mich. Die großen Versprechen scheinen nur Wiederholungen alter Investitionen zu sein.“

Fazit: Ein aufgezwungener Waffenstillstand

Die Weltwirtschaft kann kurz aufatmen – eine Zolleskalation zwischen den beiden größten Handelsblöcken ist vorerst vom Tisch. Aber der Preis ist hoch: Vertrauen zerstört, Partnerschaften beschädigt, Verbraucher belastet.

Trump hat mal wieder ein Problem erschaffen – und sich dann für dessen halbherzige Lösung feiern lassen. Die eigentliche Arbeit: Details klären, Vertrauen wiederherstellen. Das bleibt – wie so oft – anderen überlassen.

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