US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag angekündigt, dass er die Zulassung aller in Kanada produzierten Flugzeuge in den USA zurückziehen will. Außerdem drohte er mit einem 50-prozentigen Importzoll auf diese Flugzeuge – solange amerikanische Jets der Marke Gulfstream nicht in Kanada zugelassen würden.
Konkret betroffen: Bombardiers Global Express
In einem Beitrag auf Truth Social nannte Trump namentlich die Global Express, ein Businessjet des kanadischen Flugzeugherstellers Bombardier, sowie „alle in Kanada produzierten Flugzeuge“.
„Kanada behindert effektiv den Verkauf von Gulfstream-Produkten durch bürokratische Verzögerungen im Zertifizierungsprozess“, schrieb Trump. Sollte sich daran nichts ändern, werde er Strafzölle verhängen.
Rechtlich fragwürdig und wirtschaftlich riskant
Ob Trump rechtlich befugt ist, eine solche Entzertifizierung durchzusetzen, ist unklar. Solche Entscheidungen liegen traditionell bei der US-Luftfahrtbehörde FAA – nicht beim Präsidenten. Eine entsprechende Anordnung liegt bislang nicht vor.
„Die Luftsicherheit als Druckmittel in einem Handelskonflikt zu nutzen, ist eine extrem schlechte Idee“, warnte Luftfahrtexperte Richard Aboulafia.
Bombardier reagierte mit einem Hinweis auf die enge wirtschaftliche Verflechtung: Das Unternehmen betreibe neun Standorte mit 3.000 Mitarbeitenden in den USA und beliefere 2.800 US-Zulieferer. Eine Produktionsstätte in Indiana plane derzeit sogar eine Erweiterung.
US-Regionalflüge massiv bedroht
Auch wenn Trump zunächst vor allem auf Businessjets abzielt, könnten die Auswirkungen viel größer sein. Bombardier produziert auch die CRJ-Regionaljets, die bei US-Fluglinien wie United, Delta und American für Zubringerflüge zwischen kleinen und großen Flughäfen eingesetzt werden.
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Laut Daten von Cirium sind derzeit 648 CRJ-Jets kanadischer Herkunft im Einsatz.
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Diese absolvieren täglich über 2.600 Flüge mit rund 175.000 Passagiersitzen.
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64 % aller US-Flughäfen werden ausschließlich von Regionalfluglinien bedient.
Würden diese Maschinen tatsächlich aus dem Verkehr gezogen, drohe ein massiver Kollaps im US-Inlandsflugnetz, besonders in ländlichen Regionen.
Ein Brancheninsider sagte gegenüber CNN:
„Ich wäre sehr überrascht, wenn wirklich das Ziel ist, die ganze Flotte lahmzulegen – besonders in Regionen, die Trump politisch unterstützen.“
Ein Sprecher des Weißen Hauses stellte später gegenüber Reuters klar: Die Maßnahme solle nicht für bereits im Betrieb befindliche Flugzeuge gelten. Die FAA verwies auf das Weiße Haus, das CNN bislang keine Stellungnahme gab.
Reaktionen aus Kanada: Besonnen, aber wachsam
Die kanadische Industrie- und Verkehrsministerin Mélanie Joly äußerte sich zurückhaltend:
„Wenn der Präsident etwas sagt oder postet, hören wir zu – aber wir geraten nicht in Panik.“
Verkehrsminister Steven MacKinnon versicherte, Kanada stehe hinter seiner Luftfahrtindustrie. Es habe Gespräche mit Bombardier und dem US-Mutterkonzern General Dynamics gegeben, ebenso wie zwischen Transport Canada und dem US-Verkehrsministerium.
Offene Fragen: Auch Hubschrauber betroffen?
Unklar bleibt, ob sich Trumps Ankündigung nur auf Flugzeuge oder auch auf kanadische Hubschrauber bezieht – darunter Modelle für medizinische Notfalltransporte.
Fazit: Handelsrhetorik mit potenziell realen Folgen
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Trump erhöht den Druck im Handelskonflikt mit Kanada, ohne rechtlich klare Grundlage.
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Die Luftfahrtbranche reagiert besorgt, vor allem wegen der Gefahr massiver Störungen im Linienflugverkehr.
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Kanada bleibt ruhig, hofft aber auf rasche Klärung hinter den Kulissen.
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