Präsident Donald Trump geht juristisch in die Offensive: Nach anhaltender Kritik am Umgang seiner Regierung mit dem Fall Jeffrey Epstein hat Trump am 18. Juli eine Klage über 10 Milliarden US-Dollar gegen das Wall Street Journal eingereicht. Hintergrund ist ein Artikel vom Vortag, in dem behauptet wird, Trump habe dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein zum 50. Geburtstag einen anzüglichen Brief geschrieben.
Trump bezeichnete den Bericht in sozialen Medien als „verleumderisch“ und „komplett erfunden“ und kündigte eine „POWERHOUSE-Klage gegen alle Beteiligten“ an.
Der Streit um den Brief
Laut Wall Street Journal soll sich Trumps Brief in einem exklusiven, ledergebundenen Geburtstagsbuch befunden haben, das Epstein im Jahr 2003 von Freunden überreicht wurde. Der Text sei in die Silhouette einer nackten Frau gezeichnet worden, Trumps Unterschrift angeblich dort platziert, wo sich auf dem Bild die Schamgegend befand.
Trump dementiert die Echtheit der Darstellung. Um Schadenersatz in Milliardenhöhe zu erhalten, müsste er jedoch nach US-Recht beweisen, dass der Bericht mit „tatsächlicher Böswilligkeit“ veröffentlicht wurde – ein hoher rechtlicher Standard.
Mehr Epstein-Dokumente – auf Trumps Wunsch
Nur einen Tag vor der Klage ordnete Trump überraschend an, dass weitere Dokumente aus dem Epstein-Verfahren veröffentlicht werden sollen. Generalstaatsanwältin Pam Bondi hat daraufhin die Freigabe von geheimen Grand-Jury-Protokollen beim Bundesgericht in Manhattan beantragt.
Das ist bemerkenswert, da das Justizministerium noch Anfang Juli erklärt hatte, es gäbe keine weiteren nennenswerten Epstein-Dateien und keine geheim gehaltene „Kundenliste“. Trumps Meinungsumschwung scheint auch eine Reaktion auf den Druck seiner Unterstützerbasis zu sein, die mehr Transparenz fordert.
Was kommt als Nächstes?
Die Freigabe der Gerichtsakten könnte noch Wochen oder Monate dauern – und betrifft nur einen Teil der verfügbaren Informationen. Kritiker fordern zusätzlich die Offenlegung von FBI-Akten, Fotos, Videos und E-Mails.
Im Kongress wird zudem über eine (symbolische) Resolution diskutiert, die die umfassende Veröffentlichung aller Epstein-Dokumente fordert. Bisher scheiterte sie an parteipolitischen Differenzen.
Trumps Verbindung zu Epstein – und der öffentliche Druck
Trump kannte Epstein seit den 1990er-Jahren aus dem Gesellschaftsleben in Palm Beach. Ihre Freundschaft endete Mitte der 2000er, angeblich wegen eines Streits über eine Immobilie. In der Vergangenheit lobte Trump Epstein jedoch mehrfach als „interessant“ und „unterhaltsam“, auch in Bezug auf dessen Vorliebe für „jüngere Frauen“.
Bisher taucht Trumps Name in den Epstein-Akten nur am Rande auf – z. B. auf alten Fluglisten oder in Notizblöcken, die bei Epstein sichergestellt wurden. Eine direkte Verbindung zu Straftaten wurde bislang nicht nachgewiesen.
Fazit:
Trump geht mit maximalem Druck gegen Medien und Behörden vor – mit einer Milliardenklage und dem überraschenden Wunsch nach mehr Akteneinsicht. Kritiker sehen darin ein Ablenkungsmanöver, Unterstützer feiern es als Kampf gegen „Fake News“. Klar ist: Der Epstein-Komplex bleibt politisch und medial hochbrisant.
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