Beim Weltwirtschaftsforum in Davos haben sich am Donnerstag der frühere US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu einem privaten Gespräch getroffen. Beide Seiten sprachen im Anschluss von einem „positiven“ Treffen, doch gleichzeitig betonten sie, dass der Weg zum Frieden in der Ukraine noch lang sei.
Trump erklärte nach dem einstündigen Treffen: „Der Krieg muss enden. Wir hoffen, dass es bald soweit ist. Viele Menschen sterben. Aber es ist ein laufender Prozess.“ Selenskyj ergänzte: „Es war ein positiver Dialog – mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Er betonte jedoch, dass die letzten Verhandlungsschritte besonders schwierig seien: „Ich muss in jedem Dialog die Interessen meines Landes verteidigen. Das ist nicht einfach.“
Dreiergespräch in den Emiraten geplant
Ein diplomatischer Durchbruch könnte sich in den kommenden Tagen abzeichnen: Selenskyj kündigte ein dreiseitiges Treffen zwischen Vertretern der Ukraine, der USA und Russlands in den Vereinigten Arabischen Emiraten an. Es wäre das erste offizielle trilaterale Treffen seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022.
Trump inszeniert „Board of Peace“ – Funktion bleibt unklar
Vor dem Treffen hatte Trump in Davos sein neues außenpolitisches Projekt vorgestellt: das sogenannte „Board of Peace“, ein Gremium zur Lösung globaler Konflikte und zum Wiederaufbau Gazas. Bei der Unterzeichnungszeremonie waren jedoch nur rund 20 Staaten vertreten, darunter Aserbaidschan, Indonesien, Katar und Ungarn. Die meisten EU-Staaten lehnten eine Beteiligung ab.
Trump nannte Gaza ein „wunderschönes Stück Land am Meer“, das „für so viele Menschen nützlich sein könnte“ – eine Aussage, die international für Irritation sorgte. Beobachter werfen Trump vor, geopolitische Krisen in einer Weise zu behandeln, die stark an Immobilienlogik erinnert.
Grönland-Verhandlungen sorgen für Spannungen
Parallel dazu sorgt Trumps verbal angekündigter Deal mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte über Grönland für diplomatische Unruhe. Trump spricht von „totalem Zugang“ der USA zur Arktisinsel – ohne schriftliches Abkommen. Die dänische Regierung und die grönländische Premierminister Jens-Frederik Nielsen reagierten empört.
Nielsen stellte klar: „Souveränität ist unsere rote Linie.“ Es gebe keine Abmachung ohne Zustimmung Grönlands und des Königreichs Dänemark. „Wir stehen zur EU, zur NATO und zu unseren demokratischen Partnern.“
Europa in der Kritik – Selenskyj ruft zur Einigkeit auf
In seiner Rede in Davos warf Selenskyj den europäischen Staaten Untätigkeit vor. Er verglich ihr Verhalten mit der „Grönland-Mentalität“: „Vielleicht tut irgendwann irgendwer irgendetwas.“ Während Frankreich und Großbritannien weitere militärische Unterstützung signalisierten, forderte Selenskyj eine neue globale Ordnung – „aber wo sind die Führer, die das tragen?“
Der slowenische Premier Robert Globb lobte in einem CNN-Interview immerhin ein „neues Rückgrat Europas“ angesichts von Trumps Drohungen. Dennoch herrsche weiterhin Unsicherheit über die Rolle der USA, insbesondere in NATO-Strukturen.
Fazit: Viel Bewegung, wenig Klarheit
Trumps Auftritt in Davos hat die geopolitischen Debatten erneut dominiert. Während das „Board of Peace“ als symbolische Initiative startet und ein Friedensdokument für die Ukraine offenbar in Vorbereitung ist, bleiben die zentralen Fragen offen: Ist Russland bereit, zu unterschreiben? Und was bedeutet Trumps paralleler Kurs mit inoffiziellen Gremien für die globale Ordnung?
Mit dem bevorstehenden trilateralen Treffen in den Emiraten könnten erste Antworten folgen – sofern alle Seiten den Willen zum Frieden zeigen.
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