US-Präsident Donald Trump hat in den letzten Wochen mit einer Reihe von Handelsabkommen mit der EU, dem Vereinigten Königreich, Japan, Indonesien und den Philippinen beachtliche Erfolge verbucht. Doch nun steht er vor seinem bislang härtesten Gegner: China.
Erfolg in Europa – mit harter Hand
Nur zwei Tage nach der Verkündung eines Rahmenabkommens mit der EU – das viele europäische Staats- und Regierungschefs als Zugeständnis werten – traf Trumps Handelsdelegation in Schweden auf eine ganz andere Realität. Die Gespräche mit dem chinesischen Team unter Präsident Xi Jinping endeten ohne Durchbruch. Trump hatte Europa mit einer Mischung aus wirtschaftlichem Druck und geopolitischer Abhängigkeit zum Einlenken gezwungen – ein Vorgehen, das bei China kaum funktionieren dürfte.
Trump setzt auf ein einfaches Prinzip: Wer Zugang zum amerikanischen Markt will, muss zahlen. Dieses Modell hat bislang funktioniert – zumindest kurzfristig. Doch China zeigt sich widerstandsfähig und verfolgt eine langfristigere Strategie.
Xi Jinping: Nationalstolz und strategische Geduld
Xi Jinping steht unter völlig anderen Bedingungen als seine europäischen Kollegen. Der chinesische Präsident kann es sich innenpolitisch nicht leisten, gegenüber Trump nachzugeben – nicht nach Jahren der Propaganda über nationale Souveränität und Chinas Wiederaufstieg zur Weltmacht.
Zudem kontrolliert China entscheidende Rohstoffe wie Seltene Erden, die für Hightech-Produkte in der Rüstungs- und Elektronikindustrie unverzichtbar sind. Bereits früher blockierte Peking deren Export – ein Druckmittel, das jederzeit erneut zum Einsatz kommen könnte. Und China verfügt über die nötige politische Stabilität, um wirtschaftliche Schmerzen durchzustehen – weit mehr, als Trump es innenpolitisch riskieren könnte.
Trump will „den Deal“ – China will Zeit
Trump drängt auf ein persönliches Treffen mit Xi, möglicherweise noch in diesem Jahr. Beobachter vermuten, dass Trump damit sowohl die Inszenierung als auch eine mögliche Erfolgsgeschichte für seine Wiederwahl anstrebt. Doch chinesische Verhandler bevorzugen detaillierte, gut vorbereitete Gespräche auf Arbeitsebene – spontane Deals vor Kameras, wie Trump sie liebt, sind ausgeschlossen.
US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer und Finanzminister Scott Bessent lobten nach den Gesprächen in Stockholm den „konstruktiven“ Verlauf. Doch konkrete Ergebnisse gibt es bislang keine – nicht einmal bei der angestrebten Verlängerung des Tariffriedens bis zum 12. August. Peking spricht bereits von einer Einigung, während Washington abwartet – Trump will die letzte Entscheidung selbst treffen.
Trumps Handelsstrategie – mehr Schein als Substanz?
Die bisher von Trump verkündeten Handelsabkommen sind oft nur politische Rahmenvereinbarungen, keine rechtsverbindlichen Verträge. Viele Details – etwa zu Standards, Ausnahmen und Schiedsverfahren – fehlen. Das birgt die Gefahr, dass diese Abkommen schon bald wieder zerfallen könnten.
Zudem könnten sich die wirtschaftlichen Nebenwirkungen erst mit Verzögerung zeigen: höhere Preise für Verbraucher, verunsicherte Lieferketten und zunehmender Inflationsdruck. Laut Goldman Sachs könnten spürbare Preissteigerungen bis zu acht Monate auf sich warten lassen – genau rechtzeitig zur heißen Phase des Wahlkampfs.
China bleibt der entscheidende Prüfstein
Ein umfassendes Handelsabkommen mit China wäre Trumps größter Coup – doch genau deshalb ist es so schwer zu erreichen. Peking weiß, dass Trump ein solches Abkommen dringend braucht. Und Xi Jinping wird keine Demütigung akzeptieren, die ihn innenpolitisch schwächen könnte.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Trumps Taktik der maximalen Konfrontation auch gegenüber einer Weltmacht wie China aufgeht – oder ob sein „Erfolg auf dem Weltmarkt“ dort seine Grenze findet.
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