Nach einem politisch explosiven ersten Amtsjahr geht US-Präsident Donald Trump mit neuen wirtschaftlichen Versprechen in das Wahljahr 2026 – vor allem mit dem Schlagwort „Bezahlbarkeit“. Doch während das Weiße Haus vollmundig eine Agenda zur Senkung der Lebenshaltungskosten ausruft, wird diese regelmäßig von Trumps eigenen Aktionen überschattet.
Ein Präsident mit Ambitionen – und Ablenkungen
Trump startete mit einem „Wunschzettel der MAGA-Bewegung“ in sein Comeback. Seine erste Amtsjahreshälfte war geprägt von Massenabschiebungen, Umstrukturierungen bei Bundesbehörden, militärischen Einsätzen – unter anderem in Venezuela – und einem zunehmend konfrontativen Kurs gegenüber der Notenbank und kritischen Medien.
Nun, im zweiten Amtsjahr, sieht sich Trump mit Widerstand aus dem In- und Ausland, schwindendem Rückhalt bei unabhängigen Wählern und einer zunehmend zerklüfteten republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus konfrontiert. Um nicht die Kontrolle im Kongress zu verlieren, will er mit populären Themen punkten.
Neue Wirtschaftsoffensive: Preisdeckel und Investitionsverbote
Trump kündigte kürzlich an, Kreditkartenzinsen auf 10 % zu deckeln und großen Investmentgesellschaften den Kauf von Einfamilienhäusern zu untersagen – Maßnahmen, die bei vielen Wählern ankommen könnten, aber parteiintern auf Skepsis stoßen.
„Bezahlbarkeit!“, schrieb Trump in Großbuchstaben auf Truth Social – ein Begriff, den er in derselben Rede auch als „Demokraten-Wort“ verspottete. Kritiker wie der wirtschaftsliberale Trump-Berater Stephen Moore warnten bereits vor „sozialistischer Wirtschaftspolitik“, während Republikaner im Kongress befürchten, dass solche Maßnahmen kontraproduktiv sind.
Inflation, Gesundheit, Mieten – die echten Baustellen
Trumps Team signalisiert: Die Kosten für Medikamente, Mieten, Kredite und Versicherungen sollen sinken. Ein neues Gesundheitsprogramm wurde bereits angekündigt, ein Wohnungspaket soll folgen.
Doch während Trump in Reden auf positive Wirtschaftszahlen verweist und die Steuersenkungen vom 4. Juli 2025 als Erfolg verkauft, empfinden viele Amerikaner steigende Lebenshaltungskosten weiterhin als drückend. Laut aktuellen Umfragen lehnen 59 % der Bürger Trumps Amtsführung ab.
Kongress am Limit – und ein möglicher neuer Shutdown
Mit einem knappen Vorsprung von nur 218 zu 213 Sitzen im Repräsentantenhaus wird es für die Republikaner immer schwieriger, größere Vorhaben ohne Unterstützung der Demokraten durchzusetzen. Ein neuer Shutdown droht Ende Januar, wenn nicht bald ein Haushalt verabschiedet wird.
Und auch international wird Trumps Kurs zur Belastung: Die Eskalation in Venezuela, Drohungen gegen den Iran und die anhaltende Kontroverse um Grönland sorgen für Stirnrunzeln selbst in den eigenen Reihen. Ein republikanischer Abgeordneter erklärte bereits, bei einer weiteren Eskalation möglicherweise für ein Amtsenthebungsverfahren zu stimmen.
Alles für die Midterms
Die Zwischenwahlen im Herbst 2026 werfen ihre Schatten voraus. Trumps Partei befürchtet Verluste – wie sie auch Trump 2018 hinnehmen musste. Damals verloren die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus im zweiten Amtsjahr.
Um dies zu vermeiden, setzt das Weiße Haus auf eine Mischung aus wirtschaftlichem Populismus und harte Linie in der Einwanderungspolitik. Doch Trumps Hang zur Provokation droht die neue „Bezahlbarkeits“-Strategie immer wieder zu torpedieren.
„Wir haben die richtige Politik – ich verstehe nicht, was im Kopf der Leute vorgeht“, sagte Trump Anfang Januar mit Blick auf seine Beliebtheitswerte.
Ob sich das ändert, hängt wohl weniger von seinen Parolen ab – und mehr davon, ob es dem Präsidenten gelingt, bei seinen eigenen Themen zu bleiben.
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