Bei einer Pressekonferenz im Oval Office sorgte Präsident Donald Trump erneut für Aufsehen. Als CNN-Journalistin Kaitlan Collins ihm eine Frage zur Untersuchung gegen den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein stellte, konterte er nicht mit einer Antwort – sondern mit einem persönlichen Kommentar:
„Ich kenne Sie seit zehn Jahren. Ich glaube, ich habe Sie noch nie lächeln sehen“, sagte Trump hinter dem Resolute Desk.
Es war nicht das erste Mal, dass Trump weibliche Journalistinnen öffentlich rügte. Im Vorjahr beschimpfte er eine Reporterin von Bloomberg News, die ebenfalls zu Epstein fragte, mit den Worten: „Ruhe! Ruhe, kleines Schweinchen.“
Frauen kontern: „Sag Frauen nicht, sie sollen lächeln“
In den sozialen Medien machten viele Frauen ihrem Ärger Luft. Sie berichteten, wie oft sie im Laufe ihrer Karriere aufgefordert wurden, mehr zu lächeln – meist von männlichen Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden.
„Es war noch nie eine gute Idee, Frauen zu sagen, sie sollen mehr lächeln“, schrieb Caroline Dettman, Chief Marketing Officer bei World Business Chicago, auf LinkedIn. „Auch wenn es nicht böse gemeint ist, wirkt es herablassend und sexistisch.“
Ein weit verbreitetes Phänomen – mit klaren Mustern
Laut Studien geben 98 % der berufstätigen Frauen an, schon mindestens einmal aufgefordert worden zu sein, mehr zu lächeln – 15 % sogar wöchentlich oder noch häufiger.
Ironischerweise zeigen dieselben Studien, dass Frauen durchschnittlich 62 Mal pro Tag lächeln – fast achtmal so oft wie Männer. Und gerade Frauen in Führungspositionen seien besonders häufig Ziel solcher Kommentare.
Ist das sexistisch? Viele sagen: Ja
Während manche den Kommentar als harmlos empfinden, sehen viele Expertinnen darin einen Ausdruck tiefer liegender Geschlechterrollen.
„Frauen sollen freundlich und zugänglich wirken, um Erwartungen zu erfüllen“, sagt Ruchika Malhotra, Autorin von Uncompete und Inclusion on Purpose. „Das ist nicht nur sexistisch, sondern zementiert ein Machtungleichgewicht im Beruf.“
Die Folge: Frauen sollen „hart, aber nicht zu hart“ sein. „Selbstbewusst, aber nicht zu selbstbewusst. Respektiert, aber auch beliebt.“ Ein ständiger Balanceakt, der Karrierechancen beeinflussen kann.
Trump bekommt auch Rückendeckung – von Megyn Kelly und JD Vance
Nicht alle sehen die Aussage als problematisch. Vizepräsident JD Vance, der bei der Pressekonferenz anwesend war, nannte Trumps Bemerkung „perzeptiv“. Auch Moderatorin Megyn Kelly verteidigte ihn: „Roger Ailes hat mir früher auch gesagt, ich soll lächeln. Ich habe genau das Gleiche über Kaitlan Collins gesagt – sie lächelt nie.“
Was tun, wenn jemand im Job sagt: „Lächel doch mal“?
Laut Lauren Howard, CEO des Beratungsunternehmens ElleTwo, sollten Frauen in solchen Situationen nicht automatisch gehorchen: „Niemand hat das Recht, die Mimik anderer zu kontrollieren.“
Mögliche Reaktionen:
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Direkt sein: Höflich, aber bestimmt sagen, dass die eigene Gesichtsausdruck vollkommen angemessen ist.
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Humor einsetzen: „Ich würde scherzen, dass ich mehr lächeln würde, wenn meine männlichen Kollegen es auch täten“, schlägt Malhotra vor.
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Vertrauenspersonen einbeziehen: Wenn möglich, Führungskräfte informieren oder um Unterstützung bitten, damit solche Kommentare thematisiert werden.
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