Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, ab dem 1. November einen zusätzlichen Strafzoll in Höhe von 100 Prozent auf alle Importe aus China zu erheben, hat zu einem historischen Absturz auf dem Kryptomarkt geführt. Wie die Analyseplattform CoinGlass mitteilte, wurden innerhalb weniger Stunden digitale Vermögenswerte im Wert von über 18,2 Milliarden US-Dollar liquidiert – der größte Ausverkauf in der Geschichte von Kryptowährungen.
Besonders betroffen waren die Leitwährungen Bitcoin, Ether und Solana. Der Bitcoin-Kurs fiel am Freitagabend zwischenzeitlich auf 103.000 Dollar, bevor er sich am Samstagnachmittag (Ortszeit) auf rund 111.600 Dollar erholte – ein Wochenverlust von fast zehn Prozent. Auch Ether stürzte zeitweise um über 14 Prozent ab, Solana verlor rund 20 Prozent.
Die starke Kurskorrektur erfolgte parallel zu einem Rückgang der US-Aktienmärkte: Sowohl der Nasdaq als auch der S&P 500 verzeichneten am Freitag ihre stärksten Verluste seit sechs Monaten.
Rekordhoch nach Trump-Krypto-Offensive
Seit dem Amtsantritt Trumps Anfang des Jahres hatten Kryptowährungen stark zugelegt. Der Präsident, der Bitcoin früher als „heiße Luft“ abgetan hatte, zeigte sich zuletzt als Krypto-Befürworter: Er trat auf einschlägigen Messen auf, kündigte eine staatlich unterstützte „Krypto-Reserve“ an und erlaubte per Executive Order die Integration von digitalen Assets wie Bitcoin in amerikanische 401(k)-Rentenpläne. Der Bitcoin erreichte daraufhin vergangene Woche ein Allzeithoch von 124.000 US-Dollar.
Handelskrieg eskaliert erneut
Trotz laufender Gespräche zwischen Washington und Peking verschärfte sich der Ton zuletzt erneut. Hintergrund sind Chinas neue Exportbeschränkungen für sogenannte Seltene Erden, die unter anderem für Halbleiter, Batterien und Hightech-Produkte benötigt werden. Die US-Regierung reagierte prompt mit der Ankündigung massiver Zölle.
Trump begründete die Maßnahme auf Truth Social mit „chinesischen Erpressungsversuchen“ und warf Peking vor, die nationale Sicherheit der USA zu gefährden.
Marktteilnehmer verunsichert
Analysten sehen in dem Kurseinbruch eine Folge der hohen Hebelwirkung, mit der viele Anleger im Kryptosektor operieren. „Diese Liquidierungswelle zeigt, wie fragil der Markt derzeit ist – besonders unter politischen Schockwellen“, kommentierte CoinGlass.
Ob sich die Märkte in den kommenden Tagen stabilisieren, dürfte maßgeblich vom Verlauf der US-chinesischen Handelsgespräche und weiteren Äußerungen aus dem Weißen Haus abhängen.
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