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Trump knüpft Grönland-Forderung an Nobel-Enttäuschung – EU droht mit Handelsmaßnahmen

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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US-Präsident Donald Trump hat mit einer provokanten Nachricht an Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre erneut für internationale Empörung gesorgt. In einer bizarren Verknüpfung seiner gescheiterten Bewerbung um den Friedensnobelpreis mit geopolitischen Forderungen erklärte Trump, er fühle sich nicht länger verpflichtet, „rein an Frieden zu denken“ – und bekräftigte seine Absicht, Grönland vollständig unter US-Kontrolle zu bringen.

Die Nachricht an Støre erfolgte am 18. Januar, nur Stunden nach dem Scheitern diplomatischer Bemühungen zwischen den USA, Skandinavien und EU-Partnern zur Deeskalation. Trump schrieb:
„Die Welt ist nicht sicher, solange wir nicht vollständige und totale Kontrolle über Grönland haben.“

EU droht mit „Handels-Bazooka“

Trump hatte zuvor angekündigt, ab dem 1. Februar 10 % Zölle auf Importe aus acht europäischen Ländern zu verhängen – darunter Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich – sollten sie sich weiterhin gegen eine US-Übernahme Grönlands stellen. Ohne Einigung werde der Satz bis Juni auf 25 % steigen.

Die EU reagierte scharf: Außenpolitik-Chefin Kaja Kallas erklärte, man wolle zwar keinen Streit mit den USA, werde aber „standhaft bleiben“. Europa habe eine Reihe von Instrumenten, um sich gegen wirtschaftlichen Druck zu verteidigen – darunter das sogenannte „Anti-Coercion Instrument“ (auch als „Handels-Bazooka“ bezeichnet), das eigentlich gegen Drohungen aus China entwickelt wurde.

Damit könnten US-Unternehmen der Zugang zum europäischen Markt erschwert oder Investitionen blockiert werden. Die EU-Kommission prüft derzeit den Einsatz dieses Instruments gegen Washington.

Grönland: „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen“

Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen wies Trumps Forderungen entschieden zurück:
„Wir lassen uns nicht unter Druck setzen. Wir stehen für Dialog, Respekt und internationales Recht.“
Zugleich bedankte er sich für die internationale Unterstützung und bezeichnete die Proteste in Dänemark und auf Grönland als „würdevollen Ausdruck unserer Demokratie“.

Auch Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen zeigte sich „überrascht“ über Trumps Vorgehen, warnte aber vor einer Eskalation: „Es gibt rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen.“ Die Zukunft Grönlands liege ausschließlich in den Händen der grönländischen Bevölkerung.

NATO und Kirche warnen – Israel und Russland eingeladen

NATO-Generalsekretär Mark Rutte betonte nach Gesprächen mit Dänemark und Grönland die sicherheitspolitische Bedeutung der Arktis und versprach eine enge Zusammenarbeit. Zugleich teilte ein Sprecher des dänischen Militärs mit, dass zusätzliche Truppen nach Grönland verlegt würden – unter anderem in den arktischen Ort Kangerlussuaq.

Unterdessen luden die USA Israel und Russland offiziell ein, Mitglied eines neuen „Friedenskomitees“ zu werden, das den Wiederaufbau Gazas nach dem Waffenstillstand koordinieren soll. Israels Premier Netanyahu hat die Einladung noch nicht offiziell angenommen. Auch der Kreml bestätigte den Erhalt einer Einladung.

In den USA selbst sorgen Trumps außenpolitische Eskapaden zunehmend für Unmut. Drei ranghohe Kardinäle kritisierten in einer seltenen gemeinsamen Erklärung die US-Außenpolitik als moralisch fragwürdig und warnten vor einer zunehmenden Militarisierung. „Ein gerechter Krieg gegen Dänemark ist nicht vorstellbar,“ sagte der für das Militär zuständige Erzbischof Timothy Broglio.

Hintergrund: Trump verknüpft persönliche Kränkung mit geopolitischem Druck

In seinem SMS-Austausch mit Norwegens Premier Støre zeigte Trump sich offen gekränkt über die Nichtvergabe des Friedensnobelpreises an ihn. Er argumentierte, dass er acht Kriege beendet habe und daher den Preis verdient hätte. Weil Norwegen sich jedoch gegen seine Nominierung ausgesprochen habe, sehe er sich nun nicht mehr verpflichtet, rein an Frieden zu denken, sondern wolle tun, „was gut und richtig für die Vereinigten Staaten“ sei.

Fazit

Trumps Grönland-Offensive ist nicht nur ein außenpolitischer Eklat, sondern auch ein diplomatischer Stresstest für die transatlantischen Beziehungen. Während die EU mit wirtschaftlichem Gegendruck droht, betont Grönland seine Eigenständigkeit – und die Welt schaut mit Sorge auf eine Krise, die in den Augen vieler längst jede rationale Grundlage verloren hat.

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