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Trump fordert Zinsdeckel von 10 % auf Kreditkarten – populistischer Vorstoß gegen hohe Lebenshaltungskosten

kalhh (CC0), Pixabay
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US-Präsident Donald Trump hat am Freitag einen einjährigen Zinsdeckel von 10 % für Kreditkarten gefordert. In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social erklärte er, die amerikanische Bevölkerung werde von der Finanzindustrie „abgezockt“.

Die Maßnahme solle ab dem 20. Januar 2026 – dem einjährigen Jubiläum seiner Rückkehr ins Weiße Haus – in Kraft treten. Wie genau dieser Zinsdeckel durchgesetzt werden soll, ließ Trump offen. Es blieb unklar, ob er freiwillige Kooperation der Kreditkartenanbieter erwartet oder gesetzliche Eingriffe plant.

In seinem Beitrag begründete Trump den Vorschlag mit einem Schlagwort: „BEZAHLBARKEIT!“ Bereits im September 2024 hatte er auf dem Wahlkampftrail eine ähnliche Maßnahme angedeutet.

Rolle rückwärts bei Verbraucherschutz

Die Forderung nach einem Zinsdeckel stellt einen bemerkenswerten Kurswechsel dar: Noch im Vorjahr hatte Trumps Regierung eine von der Biden-Administration eingeführte Begrenzung von Kreditkarten-Gebühren in Höhe von acht Dollar wieder zurückgenommen. Die US-Verbraucherschutzbehörde (CFPB) hatte damals geschätzt, dass diese Regelung amerikanische Haushalte um mehr als 10 Milliarden Dollar jährlich entlastet hätte.

Nach einer Klage der Banken wurde die Gebührendeckelung 2024 zunächst per Gericht gestoppt – Trumps Regierung stellte sich anschließend auf die Seite der Kreditwirtschaft.

Heftige Kritik aus der Finanzbranche

Die Reaktion der Banken auf Trumps neuen Vorstoß ließ nicht lange auf sich warten. In einer gemeinsamen Erklärung warnten mehrere Branchenverbände – darunter die American Bankers Association und die Consumer Bankers Association – vor gravierenden Folgen für Verbraucher und kleine Unternehmen.

„Wir teilen das Ziel des Präsidenten, Kredit erschwinglicher zu machen“, hieß es. „Aber ein Zinsdeckel von 10 % würde die Kreditvergabe einschränken und Millionen von Haushalten und Kleinunternehmen schaden – genau jenen, denen eigentlich geholfen werden soll.“

Stattdessen würden Verbraucher in unregulierte und oft deutlich teurere Kreditformen gedrängt, warnten die Verbände.

Gefahr für einkommensschwache Haushalte

Zinsen aus Kreditkartenschulden sind ein zentrales Standbein für die Einnahmen vieler Finanzinstitute. Ein drastischer Zinsdeckel könnte dazu führen, dass Banken ihre Kreditvergabestandards erheblich verschärfen. Für Menschen mit geringem Einkommen oder schlechter Bonität könnte das bedeuten, dass sie überhaupt keinen Zugang mehr zu Kredit erhalten.

Ökonomen warnen, dass sich dadurch die bereits bestehende Ungleichheit in der US-Wirtschaft weiter verschärfen könnte – ein Phänomen, das als K-förmige Erholung bezeichnet wird: Während wohlhabendere Amerikaner von Börsengewinnen, steigenden Immobilienwerten und Lohnerhöhungen profitieren, kämpfen Geringverdiener mit hohen Preisen, wachsender Verschuldung und einem abkühlenden Arbeitsmarkt.

Trump kündigt populistische Wirtschaftsmaßnahmen an

Trumps Vorstoß zum Kreditkartenzins ist Teil einer Reihe von populistisch geprägten Wirtschaftspolitik-Ankündigungen, mit denen er sich derzeit um die Gunst der Bevölkerung bemüht. Am Donnerstag hatte er etwa auf Social Media angekündigt, den Kauf von Hypothekenanleihen anzuordnen, um die Wohnkosten zu senken. Am Mittwoch sprach er sich dafür aus, Großinvestoren den Kauf von Einfamilienhäusern zu verbieten.

Doch Umfragen zeigen, dass viele US-Bürger skeptisch bleiben: Laut einer aktuellen CNN-Erhebung glauben 61 % der Amerikaner, Trumps Politik habe die wirtschaftlichen Bedingungen im Land verschlechtert. Und laut der New Yorker Notenbank ist die Erwartung, einen neuen Job zu finden, aktuell auf einem historischen Tiefpunkt.

Kritik an Verbraucherschutzbehörde CFPB

Die Trump-Regierung hat in der Vergangenheit mehrfach versucht, die Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit der Verbraucherschutzbehörde CFPB einzuschränken – einer Institution, die über Finanzdienstleister wacht und Beschwerden von Verbrauchern bearbeitet. Konservative, darunter auch Trump selbst, betrachten die Behörde seit Langem kritisch.

CNN hat die US-Regierung und die American Bankers Association um eine Stellungnahme gebeten.


Hintergrund:
Die Zinssätze für Kreditkarten in den USA können je nach Bonität und Anbieter deutlich über 20 % liegen. Ein Deckel von 10 % wäre daher eine drastische Veränderung – mit unklaren Folgen für Kreditverfügbarkeit, Bankenpraxis und Verbraucherschutz.

 

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