Die Straße von Hormus ist blockiert, Tanker stehen Schlange, die Ölpreise steigen – und US-Präsident Donald Trump hat eine naheliegende Lösung gefunden: Die Nato soll sich kümmern.
In einem Interview mit der Financial Times erklärte Trump, es wäre „sehr schlecht für die Zukunft der Nato“, wenn die Verbündeten den USA bei der Sicherung der Meerenge nicht helfen würden. Diplomaten übersetzen solche Formulierungen gewöhnlich mit: Wenn ihr nicht mitmacht, merken wir uns das.
Wer Öl will, soll auch Kriegsschiffe schicken
Die Logik des US-Präsidenten ist einfach: Viele Länder profitieren vom Öltransport durch die Straße von Hormus – also sollen sie auch bei der militärischen Absicherung helfen.
Trump nannte gleich mehrere mögliche Teilnehmer seiner maritimen Sicherheitsinitiative: China, Frankreich, Japan, Südkorea und Großbritannien. Kurz gesagt: praktisch jeder, der irgendwo einen Tanker hat oder gelegentlich Benzin verbraucht.
Die Reaktionen der genannten Staaten waren bisher allerdings eher zurückhaltend. Offenbar ist die Begeisterung, spontan in einen neuen Konflikt einzusteigen, international noch ausbaufähig.
„Was auch immer nötig ist“
Auf die Frage, welche Hilfe genau erwartet wird, blieb Trump gewohnt präzise: „Was auch immer nötig ist.“
Europa könne beispielsweise Minensuchboote schicken, davon habe man schließlich mehr als die USA. Außerdem wünsche er sich Personal, das sich um „böswillige Akteure“ an der iranischen Küste kümmert – eine Formulierung, die militärisch ungefähr alles bedeuten kann.
Deutschland sagt höflich: Nein danke
In Berlin reagierte man auf die Einladung zum Hormus-Einsatz eher nüchtern. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, Deutschland sehe derzeit keinen Anlass, über eine militärische Sicherung der Seewege nachzudenken.
Deutschland sei nicht Teil dieses Krieges – und wolle es auch nicht werden. Eine Aussage, die vermutlich nicht ganz dem entspricht, was man im Weißen Haus hören wollte.
Weltwirtschaft im Nadelöhr
Das Problem bleibt dennoch real: Durch die Straße von Hormus läuft rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar wird die Meerenge faktisch vom iranischen Militär kontrolliert. Gleichzeitig gab es Angriffe auf Tanker und Ölanlagen in der Region.
Die Folge: steigende Energiepreise und hektische internationale Debatten darüber, wer das wichtigste Nadelöhr der globalen Energieversorgung sichern soll.
Trump scheint die Antwort bereits gefunden zu haben: am besten alle anderen – aber möglichst schnell.
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