Kurz vor seinem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat US-Präsident Donald Trump erneut für diplomatisches Beben gesorgt. In einer Serie von provokativen Social-Media-Beiträgen bekräftigte Trump in der Nacht auf Montag seinen Willen, Grönland notfalls auch mit Gewalt für die USA zu beanspruchen – und sorgte damit für Empörung in Europa.
Trump postete unter anderem eine Nachricht des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, in der dieser schrieb: „Ich verstehe nicht, was Sie mit Grönland bezwecken.“ Der Élysée bestätigte gegenüber USA TODAY die Echtheit der Nachricht. In weiteren Beiträgen bezeichnete Trump Großbritanniens Entscheidung, die Chagos-Inseln an Mauritius zurückzugeben, als „große Dummheit“ und stellte einen Zusammenhang zum Grönland-Konflikt her.
„US-Territorium – seit 2026“?
In einem seiner kontroversesten Posts veröffentlichte Trump eine manipulierte Abbildung, die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Oval Office neben einer USA-Karte zeigt, auf der Grönland und Kanada als US-Territorien eingezeichnet sind. Ein weiteres, offenbar KI-generiertes Bild zeigt Trump selbst mit Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio beim Hissen einer amerikanischen Flagge auf grönländischem Boden – versehen mit einem Schild: „US-TERRITORIUM. GEGRÜNDET 2026“.
Europa droht mit Milliarden-Zöllen
Die EU kündigte umgehend eine mögliche Gegenreaktion an. Man diskutiere derzeit ein Vergeltungspaket von 108 Milliarden Dollar an Strafzöllen auf US-Waren, sollten die USA weiterhin ihre aggressive Haltung zu Grönland verfolgen. Trumps Regierung hatte am Wochenende Zölle gegen europäische Staaten verhängt, die seine Pläne kritisieren.
Trump selbst erklärte inzwischen: „Es gibt kein Zurück in der Grönland-Frage.“
Grönlands Premier zeigt klare Kante
Der grönländische Premierminister Jens-Frederik Nielsen zeigte sich empört: „Grönland ist eine Demokratie mit dem Recht auf Selbstbestimmung. Drohungen ändern daran nichts.“ In einer Pressekonferenz bezeichnete Nielsen Trumps Beiträge als „respektlos“ und stellte klar, dass Grönland nicht zum Verkauf stehe.
Nobelpreis-Frust als Motiv?
Brisant: Trump hatte zuvor in einer Nachricht an Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre seine Enttäuschung über die ausgebliebene Verleihung des Friedensnobelpreises geäußert – und dies indirekt als Motivation für seine neue Grönland-Strategie genannt: Er denke nun „nicht mehr nur an Frieden“.
NATO in der Zerreißprobe?
Die USA und Dänemark sind beide NATO-Mitglieder, was einen möglichen erzwungenen Zugriff auf Grönland zu einem beispiellosen Bruch des Verteidigungsbündnisses machen würde. EU-Vertreter warnten: Ein gewaltsamer Zugriff auf Grönland wäre das Ende der NATO, wie wir sie kennen.
Trump setzt auf Davos-Auftritt
Trotz internationaler Kritik bleibt Trump unbeeindruckt. In Florida kündigte er an: „Es wird ein interessanter Davos-Auftritt.“ Dort wird er auf Staats- und Regierungschefs treffen, die in den letzten Tagen zunehmend klare Worte finden. Von der Leyen bezeichnete Trumps Vorgehen als „Fehler“ und kündigte eine „unerschütterliche, geeinte und verhältnismäßige Antwort“ Europas an.
Ob Trump die Spannungen weiter schürt oder in Davos einen Kurswechsel andeutet, bleibt abzuwarten. Klar ist: Grönland ist derzeit nicht nur eisig – sondern politisch brandheiß.
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