Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sprach Donald Trump gut eine Stunde lang. Viel Zeit, um die Weltpolitik neu zu sortieren – oder zumindest neu zu erfinden. Zwischen Grönland, NATO, Windrädern und Strompreisen entstand ein geopolitisches Paralleluniversum, in dem die USA Grönland offenbar schon einmal besessen, verteidigt, zurückgegeben und nun wieder ins Auge gefasst haben – vermutlich inklusive Eigentumsurkunde.
Trump erklärte, die USA hätten Grönland nach dem Zweiten Weltkrieg großzügig an Dänemark „zurückgegeben“. Historiker hingegen erinnern sich eher daran, dass man Dinge, die einem nie gehört haben, traditionell auch nicht zurückgeben kann. Grönland blieb jedenfalls dänisch, egal wie überzeugend Trump davon erzählte.
Auch die NATO bekam ihr Fett weg: Die USA hätten „nie etwas zurückbekommen“, obwohl sie alles bezahlt hätten. Dass der Bündnisfall nach dem 11. September 2001 zum ersten und einzigen Mal aktiviert wurde – zugunsten der USA – fiel in Davos offenbar unter die Kategorie „vergessen, aber nicht verziehen“.
Deutschland wiederum produziert laut Trump viel zu wenig Strom, zahlt dafür viel zu viel und ist vermutlich kurz davor, bei Kerzenlicht Windräder anzubeten. Zahlen sprechen zwar eine andere Sprache, aber sie hatten an diesem Tag keine Redezeit.
China bekam ebenfalls eine Bühnenrolle: Das Land baue fast alle Windräder der Welt, nutze aber selbst keine. Tatsächlich nutzt China mehr Windenergie als jedes andere Land – allerdings passt das schlecht in die Erzählung von den „schlauen Verkäufern und dummen Käufern“.
Auch bei Inflation, Steuern und angeblich beendeten Kriegen zeigte sich Trump gewohnt optimistisch, großzügig mit Superlativen und sparsam mit Belegen. Die Wahl 2020 blieb natürlich ebenfalls „gestohlen“, und die größten Steuersenkungen aller Zeiten waren – nun ja – zumindest sehr groß gefühlt.
Fazit:
Eine Rede wie ein All-inclusive-Buffet aus bekannten Behauptungen, aufgewärmten Mythen und alternativen Fakten. Satt wurde man davon vor allem eines: an Stoff für Faktenchecks.
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