In einer bizarren Wendung diplomatischer Beziehungen hat der frühere US-Präsident Donald Trump den norwegischen Premierminister Jonas Gahr Støre in einer Textnachricht scharf kritisiert, weil ihm der Friedensnobelpreis erneut verwehrt wurde. In der Nachricht, die am 18. Januar um 16:15 Uhr norwegischer Zeit verschickt wurde, erklärte Trump, er fühle sich nicht länger verpflichtet, „rein an Frieden“ zu denken – eine Aussage, die international für Irritationen sorgt.
„Angesichts der Tatsache, dass Ihr Land mir den Friedensnobelpreis für das Beenden von acht Kriegen NICHT verliehen hat, fühle ich mich nicht mehr verpflichtet, ausschließlich an Frieden zu denken“, schrieb Trump. Stattdessen wolle er sich nun darauf konzentrieren, „was gut und richtig für die Vereinigten Staaten von Amerika“ sei.
Besonders brisant: Trump erklärte in derselben Nachricht, dass die Welt „nicht sicher“ sei, solange die USA nicht „vollständige und totale Kontrolle über Grönland“ hätten. Damit bekräftigte er erneut seine jahrelange Forderung nach einem US-Kauf der größten Insel der Welt, die als autonome Region zum Königreich Dänemark gehört.
Eskalation im diplomatischen Austausch
Støres Büro bestätigte die Echtheit der Nachricht gegenüber USA Today und veröffentlichte auch den vorangegangenen Textaustausch. In seiner Mitteilung hatte Støre gemeinsam mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb Trump zur Deeskalation aufgerufen – mit Blick auf Grönland, Gaza, die Ukraine und die kürzlich angekündigten US-Zölle.
„Wir sollten gemeinsam versuchen, die Lage zu beruhigen – es geschieht so viel um uns herum, wo wir zusammenstehen müssen“, schrieb Støre. Zudem schlug er ein Gespräch für den späteren Tag vor.
NATO als Druckmittel
Trump hingegen stellte die NATO in den Kontext seiner Forderung nach Grönland. Er habe „mehr für die NATO getan als jeder andere seit ihrer Gründung“ und fordere nun eine Gegenleistung: die Übernahme Grönlands durch die USA. In der Vergangenheit hatte Trump mehrfach betont, Grönland sei sicherheitspolitisch wichtig, insbesondere mit Blick auf Russland und China.
Internationale Kritik und wirtschaftliche Drohungen
Norwegens Premierminister konterte bereits am 17. Januar auf X (ehemals Twitter): „Drohungen haben unter Verbündeten keinen Platz.“ Er betonte die Souveränität Grönlands als Teil Dänemarks und unterstrich, dass innerhalb der NATO Einigkeit über die Bedeutung der arktischen Sicherheit herrsche – ohne territoriale Ansprüche.
Trump erhöhte den Druck unterdessen weiter. Am 17. Januar kündigte er Strafzölle in Höhe von 10 % auf Importe aus mehreren europäischen Ländern an – darunter Dänemark, Norwegen, Deutschland und Frankreich – sofern kein „Deal für den vollständigen Kauf Grönlands“ zustande komme.
Die Reaktion der Europäischen Union folgte prompt: In einer gemeinsamen Erklärung betonten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa, dass „territoriale Integrität und Souveränität grundlegende Prinzipien des Völkerrechts“ seien. Man stehe „in voller Solidarität mit Dänemark und dem Volk Grönlands“.
Nobelpreis-Kontroverse spitzt sich zu
Trump macht Norwegen direkt für seine wiederholte Nichtberücksichtigung beim Friedensnobelpreis verantwortlich. In einem Interview mit NBC sagte er: „Norwegen kontrolliert das völlig, trotz gegenteiliger Behauptungen.“ Tatsächlich entscheidet ein unabhängiges Komitee über die Preisvergabe, das formal vom norwegischen Parlament ernannt wird.
Bereits im Oktober 2025 zeigte sich Trump überzeugt, dass ihm der Preis zustünde. In einem ungewöhnlichen Schritt überreichte ihm die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado im Januar ihren eigenen Friedensnobelpreis – eine Geste, die international Kopfschütteln hervorrief. Trump behielt den Preis mit den Worten: „Sie meinte, ich hätte ihn mehr verdient als jeder andere in der Geschichte.“
US-Bevölkerung lehnt Grönland-Pläne ab
Trotz Trumps anhaltender Rhetorik stößt sein Wunsch nach einem Kauf Grönlands in der amerikanischen Bevölkerung auf breite Ablehnung. Laut einer CNN/SSRS-Umfrage vom 15. Januar lehnen 75 % der US-Amerikaner ein solches Vorhaben ab.
Ob Trumps Äußerungen eine reale Bedrohung oder bloße Provokation darstellen, bleibt vorerst unklar. Auf die Frage, ob er Gewalt einsetzen würde, um Grönland zu beanspruchen, antwortete er lediglich: „Kein Kommentar.“
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