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Trump droht Iran mit Zerstörung der Energieversorgung – Experten warnen vor möglichem Kriegsverbrechen

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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US-Präsident Donald Trump verschärft im Konflikt mit Iran den Ton drastisch. Sollte es keine Einigung zur Beendigung des Krieges geben und die Straße von Hormus nicht wieder geöffnet werden, droht er mit Angriffen auf iranische Kraftwerke und Ölanlagen. Völkerrechtler schlagen Alarm: Angriffe auf zivile Infrastruktur könnten als Kriegsverbrechen gewertet werden.

Die Eskalation im Krieg zwischen den USA, Israel und Iran nimmt eine neue Stufe. US-Präsident Donald Trump erklärte, Washington könne Irans Energieversorgung »auslöschen« – darunter Elektrizitätswerke und Ölfelder –, falls Teheran nicht zu einem Abkommen bereit sei und die blockierte Straße von Hormus nicht wieder freigebe.

Auf Nachfrage zu Trumps Drohung erklärte das Weiße Haus, das US-Militär werde sich »im Rahmen des Gesetzes« bewegen. Doch genau daran bestehen erhebliche Zweifel. Internationale Experten warnen, dass gezielte Angriffe auf zivile Energie- oder Wasserinfrastruktur nach humanitärem Völkerrecht hochproblematisch seien – und unter Umständen den Tatbestand eines Kriegsverbrechens erfüllen könnten.

Drohung gegen Strom- und Wasserinfrastruktur

Besonders brisant ist, dass Trump nicht nur Ölanlagen, sondern Berichten zufolge auch Entsalzungsanlagen ins Spiel gebracht haben soll. In der Golfregion sind solche Anlagen essenziell für die Trinkwasserversorgung. Ein systematischer Angriff auf diese Infrastruktur wäre nach Einschätzung von Fachleuten nicht nur militärisch eskalierend, sondern könnte katastrophale Folgen für die Zivilbevölkerung haben.

Der Wasser- und Sicherheitsexperte David Michel vom Center for Strategic and International Studies sprach von einer »provokativen Eskalation«. Laurent Lambert vom Doha Institute for Graduate Studies warnte, ein gezielter Angriff auf Entsalzungsanlagen sei »illegal – ein Kriegsverbrechen«, sofern er Teil einer bewussten militärischen Strategie sei und nicht als Kollateralschaden eingestuft werden könne.

Auch Amnesty International sieht ein erhebliches Risiko schwerer Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht. Angriffe auf Energieinfrastruktur könnten »vorhersehbaren und verheerenden Schaden« für Zivilisten verursachen.

Angriffe auf Tanker, Explosionen in Isfahan

Parallel zu den verbalen Drohungen verschärft sich auch die militärische Lage. In Dubai wurde ein kuwaitischer Öltanker, der in den Gewässern des Emirats vor Anker lag, offenbar bei einem iranischen Drohnenangriff getroffen. Die Behörden meldeten am Dienstag, das Feuer an Bord sei gelöscht worden. Verletzt wurde demnach niemand, alle 24 Crewmitglieder seien in Sicherheit. Das Ausmaß der Schäden werde noch geprüft, ebenso die Gefahr einer möglichen Ölpest.

In Iran selbst mehrten sich unterdessen die Berichte über neue massive Luftangriffe. In sozialen Netzwerken veröffentlichte Videos, die von CNN geolokalisiert wurden, zeigen mehrere große Explosionen in Isfahan. Auch in Teheran meldete das israelische Militär eine weitere »großangelegte Angriffswelle« gegen Infrastruktur des iranischen Regimes.

Straße von Hormus bleibt neuralgischer Punkt

Im Zentrum der Eskalation bleibt die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt. Etwa ein Fünftel des globalen Ölangebots passiert normalerweise die Meerenge. Iran hatte den Schiffsverkehr zuletzt durch Drohungen, Angriffe und neue Auflagen massiv eingeschränkt.

Das iranische Parlament billigte nun einen Plan, die Passage künftig stärker zu kontrollieren, Gebühren zu erheben und Schiffen aus den USA und Israel die Durchfahrt zu untersagen. Nach iranischer Darstellung soll dies die »souveräne Rolle« des Landes in der Meerenge unterstreichen. Faktisch dürfte die Maßnahme die ohnehin angespannte Lage auf den Energiemärkten weiter verschärfen.

Ölpreis steigt über 100 Dollar

Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits spürbar. Der Preis für US-Rohöl stieg am Montag erstmals seit Juli 2022 wieder über 100 Dollar pro Barrel. Auch die Spritpreise in den USA ziehen an: Laut dem Automobilclub AAA liegt der landesweite Durchschnitt inzwischen bei 3,99 Dollar pro Gallone.

Der Internationale Währungsfonds warnte am Montag vor globalen Folgen des Konflikts. In einer Analyse heißt es, nahezu alle Szenarien führten zu »höheren Preisen und geringerem Wachstum«. Besonders betroffen seien energieimportierende Staaten in Europa und Asien. Auch bei Lebensmitteln und Düngemitteln zeichnen sich demnach bereits neue Belastungen ab.

Pentagon kündigt Pressekonferenz an

Für Dienstagmorgen hat das Pentagon erstmals seit knapp zwei Wochen wieder eine größere Pressekonferenz zum Krieg angekündigt. Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine wollen sich zur Lage äußern. Beobachter sehen darin auch einen Versuch, Kritik an der bislang auffallend spärlichen Informationspolitik der Trump-Regierung zu begegnen.

Während frühere US-Regierungen in Kriegszeiten meist tägliche Briefings abhielten, setzt das Weiße Haus bislang auf wenige, stark kontrollierte Auftritte. Das nährt Zweifel an Transparenz und Kontrolle – in einem Konflikt, der sich zusehends ausweitet.

Auch Libanon gerät tiefer in den Krieg

Der Krieg strahlt längst über Iran hinaus. Im Süden des Libanon wurden am Montag zwei Blauhelmsoldaten der UN-Friedensmission UNIFIL getötet, zwei weitere verletzt. Frankreich forderte daraufhin eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Die Vereinten Nationen sprachen von einem »äußerst schweren Vorfall«.

Zugleich meldete die libanesische Armee den Tod eines Soldaten bei einem israelischen Angriff auf einen Kontrollpunkt. Israel erklärte, man habe in einem Gebiet operiert, aus dem zuvor Raketenabschüsse registriert worden seien. Erst im Nachhinein habe sich herausgestellt, dass es sich bei den Getroffenen um libanesische Soldaten gehandelt habe.

Kurzfazit

Trump setzt auf maximale Eskalation – militärisch, rhetorisch und politisch. Doch je offener Washington mit Angriffen auf lebenswichtige zivile Infrastruktur droht, desto größer wird nicht nur das Risiko eines Flächenbrands im Nahen Osten. Es wächst auch die Gefahr, dass sich die USA selbst außerhalb des Völkerrechts bewegen.

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