Die Rhetorik wird schärfer, die Lage unübersichtlicher: US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit der vollständigen Zerstörung zentraler Energieanlagen gedroht – und zugleich von Fortschritten bei möglichen Friedensgesprächen gesprochen. In Teheran stößt das auf deutlichen Widerspruch.
Sollte es zu keiner Einigung kommen und die für den Welthandel zentrale Straße von Hormus nicht wieder geöffnet werden, werde man den Militäreinsatz beenden, „indem wir sämtliche Kraftwerke und Ölfelder komplett auslöschen“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Auch die strategisch wichtige Ölumschlaginsel Kharg stellte er ausdrücklich als mögliches Ziel in Aussicht.
Die Drohung zeigt Wirkung: Der Ölpreis reagierte prompt. Die Nordseesorte Brent stieg am Montag zeitweise über 116 Dollar pro Barrel – ein Zeichen dafür, wie sensibel die Märkte auf jede weitere Eskalation im Golf reagieren.
Gleichzeitig sendet Trump widersprüchliche Signale. Noch am Vortag hatte er erklärt, der Iran habe „den Großteil“ eines US-Forderungskatalogs zur Beendigung des Krieges akzeptiert. Aus Teheran kam umgehend eine andere Version: Das Außenministerium bezeichnete die Vorschläge als „realitätsfern“ und „unannehmbar“. Direkte Verhandlungen gebe es nicht.
Während politisch um Deutungshoheit gerungen wird, verschärft sich die militärische Lage weiter. Nach iranischen Angaben wurden bei einem US-israelischen Luftangriff auf ein Waisenhaus westlich von Teheran mindestens zwei Menschen getötet, mehrere weitere verletzt. Menschenrechtsorganisationen sprechen von hohen zivilen Opferzahlen, darunter zahlreiche Kinder.
Auch auf israelischem Gebiet zeigen sich die Folgen der Eskalation: Trümmerteile abgefangener Angriffe trafen laut Behörden ein Raffineriegelände. Der Konflikt hat sich längst zu einem Schlagabtausch auf mehreren Ebenen entwickelt.
Im Zentrum strategischer Überlegungen steht die Insel Kharg, über die rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden. Ein möglicher Zugriff der USA auf den Standort könnte jedoch erhebliche Risiken bergen. Militärexperten warnen vor hohen Verlusten bei einem Bodeneinsatz – und vor einer weiteren Ausweitung des Krieges. Hinweise auf eine baldige Entspannung seien „nicht glaubwürdig“, vielmehr könne bereits in den kommenden Tagen eine neue Eskalationsstufe erreicht werden.
International wächst der Widerstand gegen das Vorgehen Washingtons. Spanien verweigert den USA die Nutzung seiner Militärbasen für Einsätze im Zusammenhang mit dem Krieg und spricht von einem „zutiefst ungerechten“ Konflikt. Auch andere Staaten beobachten die Entwicklung mit wachsender Sorge.
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch die faktische Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Handelsrouten für Öl weltweit. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj brachte sogar den möglichen Einsatz ukrainischer Marinedrohnen ins Spiel, um die Passage wieder zu sichern – ein weiterer Hinweis darauf, wie stark sich der Konflikt internationalisiert.
Zwischen Drohungen, widersprüchlichen Verlautbarungen und anhaltenden Angriffen bleibt vorerst vor allem eines klar: Ein schneller Weg zur Deeskalation ist nicht in Sicht.
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