Donald Trump macht mal wieder Donald-Trump-Sachen.
Während die Welt versucht, irgendwie gleichzeitig einen Krieg im Nahen Osten, einen russischen Angriffskrieg in Europa und explodierende Energiepreise zu überleben, hat der US-Präsident eine brillante Idee:
Warum nicht einfach die Sanktionen gegen Russland ein bisschen lockern?
Denn wenn irgendwo auf der Welt Chaos herrscht, Krieg tobt und Ölpreise steigen, dann denkt sich Trump offenbar zuerst:
„Wie kann ich Wladimir Putin dabei helfen, trotzdem noch ein paar Tanker leerzukriegen?“
„Ich will Öl für die Welt haben“ – natürlich ganz selbstlos
Auf die Frage, warum seine Regierung ausgerechnet jetzt Kaufbeschränkungen für russisches Öl lockert, erklärte Trump bei NBC News in gewohnter staatsmännischer Tiefe:
„Ich will Öl für die Welt haben.“
Das klingt fast so fürsorglich, als würde er persönlich mit einem Kanister über den Globus laufen und jedem Land noch schnell etwas Heizöl vorbeibringen.
Tatsächlich geht es um eine befristete Ausnahme von US-Sanktionen:
Russisches Öl, das bereits auf Schiffen unterwegs ist, darf vorerst wieder straflos verkauft werden.
Offizielle Begründung:
Die Ölpreise sind wegen des Iran-Krieges gestiegen, also muss das Angebot auf dem Weltmarkt erhöht werden.
Oder anders gesagt:
Wenn es brennt, bekommt Russland eben ausnahmsweise wieder die Zapfpistole in die Hand.
Vier Jahre Krieg? Egal. Hauptsache der Sprit bleibt billig
Zur Erinnerung:
Die Sanktionen gegen Moskau wurden nicht eingeführt, weil Putin so schlechte Tischmanieren hat, sondern weil Russland seit über vier Jahren einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt.
Diese Sanktionen galten als historisch, beispiellos und als klares Signal:
Ein Land, das Europa mit Krieg überzieht, soll wirtschaftlich isoliert werden.
Aber dann kam Donald Trump – und mit ihm die Erkenntnis:
Prinzipien sind wichtig.
Aber Benzinpreise sind offenbar wichtiger.
US-Finanzminister Scott Bessent durfte dann erklären, dass bereits verschifftes russisches Öl bis zum 11. April doch wieder verkauft werden darf.
Quasi ein kleiner humanitärer Korridor.
Nicht für Menschen.
Für Rohöl.
Selenskyj bietet Hilfe an – Trump lehnt ab, natürlich maximal elegant
Besonders charmant wurde es, als Wolodymyr Selenskyj den USA und ihren Verbündeten Hilfe beim Abfangen iranischer Drohnen anbot.
Klingt erstmal vernünftig:
Die Ukraine kämpft seit Jahren gegen genau diese Art von Drohnen und hat dabei reichlich Erfahrung gesammelt. Man könnte also sagen: Die Ukrainer wissen inzwischen ziemlich gut, wie man fliegende iranische Nervensägen vom Himmel holt.
Trumps Reaktion?
„Wir brauchen keine Hilfe.“
„Der Letzte, von dem wir Hilfe brauchen, ist Selenskyj.“
Stilnote: unterirdisch.
Diplomatielevel: Presslufthammer.
Denn wenn jemand seit Jahren unter russischen Angriffen leidet, iranische Drohnen aus dem Himmel pflückt und trotzdem noch Hilfe anbietet, dann ist es natürlich nur folgerichtig, ihn öffentlich abzubügeln.
Russland liefert dem Iran Drohnen – aber bitte mit Ölbonus
Das Ganze bekommt eine fast schon groteske Pointe, wenn man sich ansieht, was Selenskyj gleichzeitig sagt:
Laut dem ukrainischen Präsidenten beliefert Russland den Iran mit Kampfdrohnen vom Typ Schahed, die wiederum gegen die USA und Israel eingesetzt werden.
Mit anderen Worten:
-
Russland produziert Drohnen
-
Der Iran nutzt sie für Angriffe
-
Die USA werden bedroht
-
Und Trump denkt sich:
„Lasst uns zur Entspannung erstmal russisches Öl leichter verkaufen.“
Man muss das erst mal schaffen.
Das ist ungefähr so, als würde man sagen:
„Der Brandstifter hilft gerade dem Nachbarn beim Fackelwerfen?
Dann sollten wir ihm zur Stabilisierung des Marktes vielleicht noch Streichhölzer zurückgeben.“
Der Skandal-Präsident bleibt sich treu
Trump zeigt damit einmal mehr, warum der Titel „Skandal-Präsident“ nicht aus der Luft gegriffen ist.
Wo andere Staatschefs in Krisen wenigstens versuchen, halbwegs konsistent zu wirken, liefert Trump zuverlässig das Gegenteil:
-
harte Worte gegen Gegner
-
weiche Regeln für Russland
-
offene Verachtung für Selenskyj
-
und dazu außenpolitische Aussagen, die klingen, als hätte man einen Talkshow-Monolog in den Krisenstab gesetzt
Die Botschaft an die Welt ist ungefähr diese:
-
Russland? Vielleicht doch nicht so schlimm, wenn das Öl gebraucht wird.
-
Ukraine? Danke, aber bitte nicht stören.
-
Iran? Gefährlich.
-
Putin? Wirtschaftlich gerade ganz praktisch.
Fazit: Prinzipien auf Abruf
Trump verkauft seine Entscheidung als pragmatische Krisenpolitik.
Kritiker würden eher sagen:
Es ist mal wieder eine Mischung aus Zynismus, politischer Beliebigkeit und erstaunlicher Nähe zu allem, was Moskau gerade nützt.
Denn wenn ein Präsident
-
Sanktionen gegen Russland lockert,
-
während Russland indirekt Gegner der USA aufrüstet,
-
und gleichzeitig Selenskyj öffentlich abkanzelt,
dann ist das keine strategische Meisterleistung.
Dann ist das vor allem eins:
Trump.
Oder etwas deutlicher:
Der Skandal-Präsident macht wieder Außenpolitik nach dem Motto: Haltung ist gut – Hauptsache, der Ölpreis sinkt.
Kommentar hinterlassen