US-Präsident Donald Trump hat Großbritannien eindringlich davor gewarnt, die Chagos-Inseln an Mauritius zu übergeben und die strategisch wichtige Militärbasis Diego Garcia lediglich zurückzuleasen. „Gebt Diego Garcia nicht her“, schrieb Trump in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social. „Dieses Land darf dem Vereinigten Königreich nicht weggenommen werden.“ Ein solcher Schritt wäre „ein Makel für unseren großen Verbündeten“, so der US-Präsident.
Damit stellt sich Trump öffentlich gegen die Linie der eigenen Regierung. Erst am Dienstag hatte das US-Außenministerium offiziell die britischen Pläne unterstützt, die Souveränität über das Britische Territorium im Indischen Ozean an Mauritius abzutreten.
Strategisch bedeutsame Insel
Diego Garcia ist die größte Insel des Archipels und beherbergt eine gemeinsame Militärbasis der USA und Großbritanniens. Nach dem im Mai angekündigten Abkommen soll London die Insel für 99 Jahre von Mauritius zurückleasen, um den Betrieb der Basis langfristig zu sichern.
Der britische Premierminister Keir Starmer verteidigt die Vereinbarung als notwendig, um die militärische Nutzung dauerhaft zu garantieren. Mauritius hatte die britische Kontrolle über die Inselgruppe immer wieder völkerrechtlich infrage gestellt.
Das britische Außenministerium erklärte nach Trumps jüngsten Äußerungen, das Abkommen sei „entscheidend für die Sicherheit des Vereinigten Königreichs und unserer wichtigsten Verbündeten“. Es sei „der einzige Weg“, um die Zukunft der Militärbasis langfristig zu sichern.
Trumps scharfe Kritik
Trump argumentierte hingegen, langfristige Pachtverträge seien für Staaten keine gute Lösung. Diego Garcia liege strategisch äußerst günstig im Indischen Ozean. Starmer begehe einen „großen Fehler“, indem er sich auf einen 100-jährigen Leasingvertrag einlasse.
Zugleich verknüpfte Trump die Insel mit geopolitischen Spannungen, insbesondere mit dem Iran. Sollte Teheran kein Abkommen im Atomstreit eingehen, könne es notwendig werden, Diego Garcia zu nutzen, um mögliche Bedrohungen abzuwehren, erklärte er. Die USA werfen dem Iran vor, auf die Entwicklung von Atomwaffen hinzuarbeiten – ein Vorwurf, den Teheran zurückweist.
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, betonte, Trumps Social-Media-Beitrag spiegle direkt die Politik seiner Regierung wider.
Politischer Streit in Großbritannien
Trumps Positionswechsel sorgt auch in Großbritannien für politische Reaktionen. Vertreter der oppositionellen Konservativen sprachen von einer „Demütigung“ für Premier Starmer. Andere Oppositionspolitiker forderten, der Deal müsse vollständig gestoppt werden.
Gleichzeitig wird argumentiert, die wiederholten Kursänderungen Trumps zeigten, wie unberechenbar die US-Politik derzeit sei – und warum Großbritannien seine internationalen Partnerschaften breiter aufstellen müsse.
Historischer Hintergrund
Die Chagos-Inseln liegen rund 9.300 Kilometer südöstlich des Vereinigten Königreichs im Indischen Ozean. Sie stehen seit 1814 unter britischer Kontrolle. 1965 wurden sie als Überseegebiet ausgegliedert. Mauritius bestreitet jedoch seit Langem die Rechtmäßigkeit dieser Abtrennung, die im Zuge der Unabhängigkeit des Landes erfolgt war.
In den späten 1960er-Jahren errichteten die USA auf Einladung Großbritanniens eine Militärbasis auf Diego Garcia. Tausende Inselbewohner wurden damals zwangsweise umgesiedelt – viele leben heute in Mauritius, auf den Seychellen oder im Vereinigten Königreich.
Die geplante Übergabe bleibt politisch hochumstritten – und ist durch Trumps Intervention nun erneut ins internationale Rampenlicht gerückt.
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