Am Rand eines Golfplatzes, direkt neben einem Vorort mit gepflegten Einfamilienhäusern, befindet sich der wohl ungewöhnlichste Flughafen der USA: Die „Alexandria Staging Facility“ – ein abgeschotteter Flughafen mit integriertem Gefängnis – ist zur wichtigsten Drehscheibe für Deportationen unter Präsident Donald Trump geworden.
Auf dem heißen Rollfeld rollen weiße Gefangenentransporter heran. Männer und Frauen in Fünfpunkt-Fesseln – an Händen, Hüfte und Knöcheln – werden in Charterflugzeuge mit Ziel Mittelamerika, Afrika oder Asien gebracht. Der Flugplatz hat sich zum zentralen „Trump-Air“-Hub entwickelt, wie Kritiker das System nennen.
Trump verschärft Kurs – und setzt auf Louisiana
Seit dem Amtsantritt Trumps im Januar sind die Abschiebeflüge um 12 % gestiegen. Im Juni verzeichnete die US-Einwanderungsbehörde ICE 209 Abschiebeflüge – der höchste Stand seit 2021. Louisiana mit seinen neun privaten ICE-Gefängnissen ist zum logistischen Herzstück geworden.
„Wenn es eine zentrale Schaltstelle der Deportationen gibt, dann ist es Alexandria“, sagt Analyst Tom Cartwright vom Projekt Witness at the Border, das ICE-Flüge überwacht.
Gefängnis auf dem Rollfeld
Die Alexandria-Einrichtung bietet 400 Haftplätze und dient als „Zwischenstation“ für Menschen, die wenige Tage vor ihrer Abschiebung stehen. Betrieben wird sie von der privaten Gefängnisfirma GEO Group. Die Nähe zum Rollfeld ermöglicht schnelle Transfers – aber auch eine größtmögliche Abschottung von der Öffentlichkeit.
Der palästinensisch-stämmige US-Bürger Sam Zeidan stand kürzlich am Zaun des Geländes und hoffte, seinen Bruder zu sehen. Dieser sei zwar mit einer US-Bürgerin verheiratet und Vater von fünf Kindern – aber nach einer Haftstrafe wegen Drogendelikten im ICE-System gelandet. Statt einer Abschiebung wurde er nach Texas gebracht, dann zurück nach Louisiana – der Grund ist unklar.
Zeidan zuckte die Schultern: „Es ist Trump-Saison, wissen Sie.“
Massenlager in Vorbereitung
Während Alexandria brummt, laufen in Texas bereits die Vorbereitungen für den nächsten „Mega-Hub“: Auf dem Militärstützpunkt Fort Bliss bei El Paso soll ein temporäres Lager mit 5.000 Betten entstehen – mit direkter Anbindung an das Flughafengelände.
Kritik an Intransparenz und Härte
Die US-Regierung gibt keine Auskunft darüber, wie viele Menschen pro Flug deportiert werden. Einige Flieger starten mit 100 Passagieren, andere mit nur wenigen. Auch bleibt oft unklar, warum Personen monatelang in Haft bleiben, obwohl keine akute Abschiebung erfolgt.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren die undurchsichtigen Abläufe und die systematische Trennung von Familien. ICE hat bislang keine Stellung zu den aktuellen Zahlen unter Trump genommen. Der US-Kongress hat derweil neue Mittel in Höhe von knapp 30 Milliarden Dollar für Abschiebungen und Flottenmodernisierung bewilligt.
Kommentar hinterlassen