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Trump

MIH83 (CC0), Pixabay
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Donald Trump geht einen ungewöhnlichen Weg im Umgang mit Medien: Statt streng kontrollierter Interviews setzt der US-Präsident zunehmend auf spontane Telefonate – offenbar auch deshalb, weil seine Handynummer in Washington längst kein Geheimnis mehr ist.

In den vergangenen Wochen hat Trump mehr als 50 Interviews gegeben, viele davon per Direktanruf. Er sprach mit konservativen Sendern wie Fox News ebenso wie mit eher linksliberalen Medien. Teilweise dauerten die Gespräche nur wenige Minuten. Zum Vergleich: Sein Vorgänger Joe Biden kam im gesamten Jahr 2022 auf rund 20 Interviews.

Dass Reporter Trump inzwischen oft direkt erreichen können, liegt offenbar daran, dass seine Telefonnummer unter Journalisten zirkuliert. Das Magazin The Atlantic bezeichnete sie jüngst als „schlechtest gehütetes Geheimnis“ der Hauptstadt. Demnach werden Kontakte untereinander weitergegeben – teils ohne große Hürden.

Der Zugang zum Präsidenten wirkt damit so niedrigschwellig wie selten. Journalisten berichten, dass Trump Anrufe teils ohne Vorankündigung entgegennimmt. „Keine Vermittlung, keine Prüfung“, schilderte eine Reporterin ihre Erfahrung.

Das Weiße Haus stellt diese Praxis als bewusste Strategie dar. Trump sei „der transparenteste und zugänglichste Präsident der Geschichte“, erklärte eine Sprecherin. Die hohe Zahl an Interviews wird als Beleg für Offenheit gewertet.

Tatsächlich passt der Ansatz zu Trumps politischem Stil. Schon während seiner ersten Kandidatur setzte er auf direkte Kommunikation – oft unkonventionell und bewusst medienwirksam. Bereits 2015 sorgte er für Schlagzeilen, als er öffentlich die Telefonnummer eines politischen Rivalen verbreitete. Kurz darauf kursierte auch seine eigene Nummer im Netz – ein Umstand, den Trump damals offensiv für seine Kampagne nutzte.

Doch die neue Offenheit hat auch Schattenseiten. Kritiker sehen die Gefahr, dass spontane Gespräche journalistische Standards unterlaufen. Wenn Interviews kurzfristig und ohne redaktionelle Vorbereitung stattfinden, sinkt die Möglichkeit zur Einordnung und kritischen Nachfrage.

Zugleich verändert sich das Machtgefüge zwischen Politik und Medien. Der Präsident entscheidet, wann und mit wem er spricht – oft direkt, ohne klassische Presseformate. Das kann Nähe schaffen, aber auch Kontrolle umgehen.

Ob Trumps Telefonstrategie langfristig mehr Transparenz bringt oder vor allem Inszenierung ist, bleibt offen. Klar ist jedoch: In Washington hat sich der Zugang zur Macht verändert – und er passt auf bemerkenswerte Weise zum Kommunikationsstil dieses Präsidenten.

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