Startseite Allgemeines Trend im Netz: „Performative Men“ – sensibel inszeniert, aber echt?
Allgemeines

Trend im Netz: „Performative Men“ – sensibel inszeniert, aber echt?

viarami (CC0), Pixabay
Teilen

 Auf TikTok und Co. sorgt ein neuer Typus Mann für Gesprächsstoff: die „performative men“. Gemeint sind Männer, die sich mit viel Stilwillen und Symbolik als besonders sensibel, intellektuell und emotional reif präsentieren – ohne dass dahinter zwingend Substanz steckt. Erkennungszeichen: Matcha-Latte, Leinen-Totebag, Vintage-Look, gelegentlich Brillen ohne Sehstärke – und als Requisit gern eine Joan-Didion-Ausgabe unter dem Arm.

Eine TikTokerin beschreibt das Phänomen als gezieltes „Appeal to the female gaze“: Der typische „performative man“ halte sich für anders als die anderen – „weich“, modisch, aufmerksam. Im Netz sehen viele darin einen Shift vom „Alpha-Bro“ zum chilligen „Nice Guy“.

Viral und live: Parodien, Wettbewerbe, Menschenmengen

In den vergangenen Wochen haben Parodien und Impressionen der „performative men“ Millionenreichweiten erzielt; teils finden Wettbewerbe mit großem Publikumsandrang statt. Hinter der Ironie steckt jedoch ein ernstes Thema: Inszenierung als Balzstrategie.

„Strategie, die funktioniert“ – Einordnung aus der Psychologie

Therapeut Erik Anderson ordnet das Phänomen evolutionspsychologisch ein: Menschen neigten dazu, Verhaltensweisen zu zeigen, deren Gründe ihnen selbst nicht immer bewusst seien, die aber für andere erkennbar funktional wirken – etwa, um Anziehung zu erzeugen.
Es gebe nichts Verwerfliches daran, sich an dem zu orientieren, was man für attraktiv hält. Problematisch werde es, wenn die Performance die Person vollständig ersetzt. Gleichwohl: Wäre der Auftritt nie erfolgreich, gäbe es ihn nicht. Manche sprechen von einer „Beta-Male-Strategie“ – über Nähe, Freundschaft und „Friendzone“ zu Punkten.

Kommt das, bleibt das – oder geht es wieder?

Inszenierung zur Steigerung der Attraktivität ist so alt wie die Menschheit. Was sich ändert, sind Form und Codes. Wird ein Stil breit verspottet, kippt er: soziale Sanktion drängt Verhaltensweisen an den Rand – und es entstehen neue Rollenbilder.
Das gilt auch für weibliche Stereotype: Wie einst die „Pick Me“ oder „Chill Girl“ geraten nun die „performative men“ ins Kreuzfeuer. Die Hoffnung vieler Beobachter: Weniger Pose, mehr Authentizität – in Beziehungen wie im öffentlichen Auftreten.

Fazit: Zwischen ironischer Selbstvermarktung und echter Selbstentwicklung verläuft eine feine Linie. „Performative men“ zeigen vor allem eins: Anziehung ist auch ein Kulturprodukt – und Trends kommen und gehen, Authentizität bleibt der schwerste, aber tragfähigste Stil.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

USA planen internationale Handelsallianz für strategische Mineralien

Die Vereinigten Staaten wollen gemeinsam mit über 50 Partnerländern eine Handelsallianz für...

Allgemeines

Starmer, Mandelson und die hohe Kunst des „Das konnte ja keiner wissen“

Man fragt sich ja manchmal, ob politische Krisen heutzutage geplant werden oder...

Allgemeines

USA: Supreme Court erlaubt neue Wahlkreise in Kalifornien – Iran-Gespräche weiter unklar – Trump zeigt Kurskorrektur

Das Oberste US-Gericht hat den Weg für eine Wahlkreisreform in Kalifornien freigemacht....

Allgemeines

Jeff Bezos und die „Washington Post“: Wie man eine Zeitung in Echtzeit zerschreddert

Washington, D.C. – Wenn Milliardäre Medien retten … oder sie einfach langsam...