Auf TikTok und Co. sorgt ein neuer Typus Mann für Gesprächsstoff: die „performative men“. Gemeint sind Männer, die sich mit viel Stilwillen und Symbolik als besonders sensibel, intellektuell und emotional reif präsentieren – ohne dass dahinter zwingend Substanz steckt. Erkennungszeichen: Matcha-Latte, Leinen-Totebag, Vintage-Look, gelegentlich Brillen ohne Sehstärke – und als Requisit gern eine Joan-Didion-Ausgabe unter dem Arm.
Eine TikTokerin beschreibt das Phänomen als gezieltes „Appeal to the female gaze“: Der typische „performative man“ halte sich für anders als die anderen – „weich“, modisch, aufmerksam. Im Netz sehen viele darin einen Shift vom „Alpha-Bro“ zum chilligen „Nice Guy“.
Viral und live: Parodien, Wettbewerbe, Menschenmengen
In den vergangenen Wochen haben Parodien und Impressionen der „performative men“ Millionenreichweiten erzielt; teils finden Wettbewerbe mit großem Publikumsandrang statt. Hinter der Ironie steckt jedoch ein ernstes Thema: Inszenierung als Balzstrategie.
„Strategie, die funktioniert“ – Einordnung aus der Psychologie
Therapeut Erik Anderson ordnet das Phänomen evolutionspsychologisch ein: Menschen neigten dazu, Verhaltensweisen zu zeigen, deren Gründe ihnen selbst nicht immer bewusst seien, die aber für andere erkennbar funktional wirken – etwa, um Anziehung zu erzeugen.
Es gebe nichts Verwerfliches daran, sich an dem zu orientieren, was man für attraktiv hält. Problematisch werde es, wenn die Performance die Person vollständig ersetzt. Gleichwohl: Wäre der Auftritt nie erfolgreich, gäbe es ihn nicht. Manche sprechen von einer „Beta-Male-Strategie“ – über Nähe, Freundschaft und „Friendzone“ zu Punkten.
Kommt das, bleibt das – oder geht es wieder?
Inszenierung zur Steigerung der Attraktivität ist so alt wie die Menschheit. Was sich ändert, sind Form und Codes. Wird ein Stil breit verspottet, kippt er: soziale Sanktion drängt Verhaltensweisen an den Rand – und es entstehen neue Rollenbilder.
Das gilt auch für weibliche Stereotype: Wie einst die „Pick Me“ oder „Chill Girl“ geraten nun die „performative men“ ins Kreuzfeuer. Die Hoffnung vieler Beobachter: Weniger Pose, mehr Authentizität – in Beziehungen wie im öffentlichen Auftreten.
Fazit: Zwischen ironischer Selbstvermarktung und echter Selbstentwicklung verläuft eine feine Linie. „Performative men“ zeigen vor allem eins: Anziehung ist auch ein Kulturprodukt – und Trends kommen und gehen, Authentizität bleibt der schwerste, aber tragfähigste Stil.
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