An der libyschen Mittelmeerküste sind in den vergangenen zwei Wochen die Leichen von mindestens 61 Geflüchteten entdeckt worden. Das teilten die örtlichen Behörden mit. Die Toten seien westlich der Hauptstadt Tripolis, in einem Gebiet nahe der Grenze zu Tunesien, an verschiedenen Küstenabschnitten angespült worden, so eine Abteilung des Gesundheitsministeriums in Tripolis.
Ein Teil der Leichen sei bereits beerdigt worden, andere wurden zur Identifikation und gerichtsmedizinischen Untersuchung in spezielle Einrichtungen gebracht. Die Behörden machen bislang keine Angaben zur Herkunft oder dem genauen Todeszeitpunkt der Opfer. Es wird jedoch vermutet, dass die Menschen beim Versuch ertranken, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen – eine Route, die Jahr für Jahr tausende Menschenleben kostet.
Libyen bleibt zentrales Transitland für Migranten
Seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen ein zentraler Knotenpunkt für Fluchtbewegungen aus Subsahara-Afrika, dem Nahen Osten und Asien. Der Mangel an staatlicher Kontrolle, bewaffnete Konflikte und ein florierender Menschenschmuggel machen das Land zu einem gefährlichen Zwischenstopp auf dem Weg nach Europa.
Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) hielten sich zuletzt rund 895.000 Migrantinnen und Migranten aus 45 Nationen in Libyen auf – viele davon unter prekären Bedingungen. Lager, Misshandlungen und Ausbeutung gehören für viele Geflüchtete zum Alltag.
Schiffskatastrophe im September
Bereits Mitte September kam es zu einer weiteren Tragödie: Bei einem Bootsunglück vor der libyschen Küste kamen laut IOM mindestens 50 Menschen ums Leben, nachdem ein Boot mit 75 sudanesischen Geflüchteten Feuer gefangen hatte. Die Zahl der Toten im Mittelmeer steigt seit Jahren wieder an – trotz internationaler Bemühungen zur Eindämmung.
Eine humanitäre Dauerkrise – ohne klare Antworten?
Die jüngsten Funde werfen erneut ein Schlaglicht auf die anhaltende humanitäre Krise in Nordafrika. Menschen riskieren weiterhin ihr Leben auf seeuntüchtigen Booten, weil ihnen weder im Herkunfts- noch im Transitland Perspektiven geboten werden.
Zugleich stehen Europa und die internationale Gemeinschaft in der Kritik: Abwehrmaßnahmen an den Außengrenzen, Deals mit Transitstaaten wie Libyen oder Tunesien sowie das weitgehende Fehlen legaler Fluchtwege sorgen dafür, dass die gefährlichste Fluchtroute der Welt – das zentrale Mittelmeer – weiter viele Opfer fordert.
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