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Tradition trifft Vision – aber wo bleibt der Beweis?

WOKANDAPIX (CC0), Pixabay
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Ein Anlegerblick auf HMW Mobility und das Comeback einer Marke

Mit großen Worten und charmantem Retro-Flair präsentiert sich HMW Mobility als Renaissance der österreichischen Zweiradlegende „Halleiner Motorenwerke“. Die Kampagne auf CONDA Capital Market spricht gezielt Investor:innen an, die Emotion mit Innovation verbinden wollen. Doch zwischen „klassischer Ästhetik“, „Volt-Visionen“ und schicken Founders-BBQ-Events stellt sich aus Anlegersicht vor allem eine Frage: Lohnt sich das Risiko wirklich – oder kauft man hier vor allem viel Geschichte und Hoffnung?

Positiv: Ambition und Markenaufbau sind erkennbar

HMW Mobility punktet mit einer klaren Vision: elektrifizierte Zweiräder „engineered in Austria“, stilsicheres Design, eine Community-getriebene Marke und ein breites Produktportfolio mit E-Mopeds und 125cc-Motorrädern. Auch die strategische Partnerschaft mit einem etablierten Ersatzteilunternehmen (RBO Stöckl) und die Teilnahme an einem FFG-Forschungsprojekt (Predictive Maintenance) zeigen: Hier wird nicht nur geträumt, sondern gearbeitet.

Für Early-Stage-Investments ein Plus: Die Marke „HMW“ wurde gesichert, erste Fahrzeuge homologiert und ein überschaubarer Umsatz erzielt. All das sind Elemente, die auf ein solides Fundament hinweisen – zumindest auf dem Papier.

Aber: Umsätze (noch) auf Kinderfahrrad-Niveau

Ein kritischer Blick auf die Finanzkennzahlen offenbart jedoch die Kehrseite: Gerade einmal 57.000 € Umsatz im Jahr 2024 bei 40 Kund:innen – das wirkt für ein Unternehmen mit angeblich europäischem Expansionshunger ernüchternd. Die ambitionierten Wachstumsziele (5 Mio. € bis 2027) erscheinen bei dieser Ausgangsbasis optimistisch, wenn nicht sogar spekulativ. Es fehlt bislang eine belastbare Marktvalidierung.

Zudem ist die Marke – trotz aller Sympathie für das „Retro-Comeback“ – außerhalb der Nostalgieblase kaum bekannt. Das Produktdesign mag überzeugen, doch die Käufer:innen müssen noch gefunden werden. Der Proof of Concept auf breiter Front steht aus.

Genussschein: Chancenmodell mit hohem Risiko

Der angebotene Genussschein ist eine unternehmerische Beteiligung – mit den bekannten Risiken: kein Rückzahlungsanspruch, keine feste Verzinsung, Beteiligung nur am Gewinn (wenn er denn kommt). Das bedeutet: Wer investiert, beteiligt sich nicht an einem fertigen Produkt mit stabilem Cashflow, sondern an einem Start-up mit Idee, Prototyp und Plan.

Ein Ausstieg oder Rückfluss des Kapitals ist nicht zeitlich garantiert. Die unbegrenzte Laufzeit macht die Investition illiquide. Anleger:innen sollten also nur Kapital investieren, auf das sie langfristig verzichten können.

Marketing oder Mitgestaltung?

Die Prämien – von Urkunden über BBQs bis zu vergünstigten Fahrzeugen – sind sympathisch und können emotionale Nähe zur Marke schaffen. Doch für sachlich orientierte Investor:innen bieten sie keinen echten Gegenwert für das Risiko. Wer investieren möchte, sollte sich nicht vom Lifestyle-Branding blenden lassen, sondern nüchtern auf die Geschäftskennzahlen, das Marktrisiko und die Exit-Strategie blicken.


Fazit

HMW Mobility ist ein Projekt mit viel Herzblut, Leidenschaft und einer charmanten Geschichte – doch noch ohne nachgewiesene wirtschaftliche Tragfähigkeit. Der Genussschein bietet hohes Potenzial, aber auch ein hohes Risiko. Anleger:innen investieren hier weniger in ein Unternehmen mit stabilen Cashflows, als in eine Vision mit Unsicherheiten.

Empfehlung: Nur für erfahrene Anleger:innen mit hoher Risikotoleranz – oder echte Fans der Marke, die bereit sind, Unternehmer:in auf Zeit zu werden.

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